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Fandom & Mental Health | Minimalismus im Fan-Alltag

Der Minimalismus bezeichnet einen einfachen Lebensstil, der sich als Gegenbewegung zum postmodernen Materialismus sieht. Doch entgegen der landläufigen Meinung ist `der Minimalist´ keine einheitliche Erscheinung, sondern eher eine sehr heterogene Gruppe von Menschen, die in verschiedenstem Ausmaß auf Konsum verzichten oder diesen einschränken wollen – sei es auf Dauer oder nur für eine kurze Zeit, als Aussteiger oder lediglich als aufmerksamer Verbraucher. Der Gedanke hinter dem Minimalismus lässt sich außerdem auch problemlos auf das „Fan-Dasein“ und den Kauf von Merchandise anwenden!

Die Frage!

Brauchen wir wirklich 40 T-Shirts zu jeder Serie, jedem Game, jedem Fandom, das wir mögen? Werden wir all das jemals tragen? Brauchen wir den neuesten Merch zu unserem Lieblingsfandom oder ist nicht ein besonderes handgefertigtes Fan-made-Produkt schöner & wertvoller? Müssen wir PC, Laptop, Netbook, Fernseher, eBook-Reader und dazu 3 Spielekonsolen besitzen, um beispielsweise das neueste Pokémon-Spiel spielen zu können?

Bedenkt man Ressourcenknappheit und klimaschädliche Massenproduktion sowie den exzessiven Plastikverbrauch für moderne Wegwerfobjekte sollte man sein Konsumverhalten schon einmal kritisch hinterfragen. Denn: große Veränderungen beginnen im Kleinen.

Die Tipps!

Hier sind 4 Tipps für einen gemäßigten Minimalismus im (Fan-)Alltag, die jedem nach Belieben als Denkanstoß oder Inspiration dienen können:

Qualität statt Quantität

Ein erster Schritt hin zu einem gemäßigten Minimalismus ist die Investition in wenige, aber dafür hochwertige, langlebige und nachhaltige Produkte. Also beispielsweise in den Kauf des Jutebeutels anstelle der 20 Einmal-Plastikbeutel aus dem Supermarkt oder in ein gutes Paar Schuhe, das uns die nächsten 10 Jahre auf Schritt und Tritt begleitet, anstelle der 5 hippen Sneakerpaare, die sowieso nur aus Plastik bestehen und im nächsten Jahr modisch schon nicht mehr tragbar sind. Die Devise lautet also „Konsum ja, Wegwerfprodukte nein“! Und so sollte man es auch mit Merchandise-Produkten handhaben: unterstützt lieber kleine Künstler, die Repliken aus Filmen & Games nachbauen oder wunderschöne Fan-Art von Hand kreieren, als Plastikware aus China zu kaufen. Natürlich darf es auch der Original-Zauberstab oder eine nette Funko-Pop aus dem Franchise sein – aber eben alles mit Maß und Verstand.

Brauche ich das wirklich?

Der zweite Schritt ist eng mit dem ersten verbunden, kostet aber schon etwas mehr Überwindung. Denn hier geht es um Einschränkung. Die Frage bei jedem Kauf sollte lauten: brauche ich das wirklich? Brauche ich wirklich noch mehr Merch, der nur ein klein bisschen anders aussieht als der, den ich schon habe? Brauche ich allen Ernstes jedes Produkt, nur weil mein Lieblingsfandom draufgedruckt ist? Man muss unterscheiden lernen, den Unterschied zwischen echter Notwendigkeit und bloßem Begehren kennen. Es sollte darum gehen, nur Dinge zu besitzen, deren Anschaffung euch glücklich macht und die ihr auch beim dritten Nachdenken noch immer wirklich, wirklich haben wollt.

Was kann ich leihen oder gebraucht kaufen?

Der letzte Schritt ist für uns besitzverwöhnte Europäer sicherlich der schwerste. Etwas nicht selbst zu besitzen, sondern von Nachbarn, Freunden, Kollegen oder gar völlig Fremden zu leihen, erscheint uns erschreckend. Das gehört sich einfach nicht. Doch wo ist das Problem, ein Gerät (z.B. eine Playstation, eine Switch, you name it!) einmal im Jahr zu leihen oder zu mieten (das geht z.B. in vielen Stadtbüchereien und kostet fast nichts), anstatt das teure Ding für einen seltenen Einsatz selbst anzuschaffen? Denn sind wir mal ehrlich: die wenigsten Geräte benutzen wir täglich und über einen langen Zeitraum. Und wenn ihr merkt, dass es doch so ist: dann kauft es euch. So wisst ihr dann aber auch, dass es nicht nur eine fixe Idee, sondern ein echter intrinsischer Wunsch war.

Merch selbst herstellen

Und zu guter letzt noch die Frage: Was kann ich upcyceln oder selbst herstellen? Kann ich den Merch, der mir so gefällt, vielleicht einfach basteln? Aus welchen Materialien, die ich schon zu Hause habe, kann ich etwas ähnliches bauen? Diese Vorgehensweise macht nicht nur Spaß, sie fördert auch das kreative Denken! Ihr werdet erstaunt sein, wie viele Gegenstände sich umfunktionieren lassen, um kleine Fan-Projekte selbst zu realisieren.

Einige Ideen, wie ihr Fan-Art und Merchandise selbst herstellen könnt, findet ihr auch in der Blogreihe: NerDIY – nerdige DIYs

Mein Lieblingsbeispiel ist diese Harry-Potter-Spielküche, bei der das Upcycling nur 20 Euro gekostet hat:

Mit diesen Schritten lässt sich unser Konsum im Alltag schon deutlich reduzieren, mit ein wenig Nachdenken kann man bares Geld einsparen. Und wenn wir Dinge selbst herstellen oder re-/upcyceln ist das schon eine Freizeitbeschäftigung für sich.

Kein Trend, sondern Lebensstil

Minimalismus im Fandom muss also nicht zwangsläufig Askese bedeuten, vielmehr sollte der gemäßigte Minimalismus Einzug in unser Denken halten und uns zu aufmerksamen Verbrauchern (auch mit aufgesetzter Fan-Brille!) machen. Im besten Fall trägt er zu einer Verbesserung der Lebensumstände und zu einem rücksichtsvolleren Umgang mit unseren knappen Ressourcen bei. Dann ist es auch wirklich ein Lebensstil und nicht bloß ein kurzlebiger Trend.

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