Das Buch Feeling Close to You von Bianca Iosivoni. Foto: Lilli/geek's Antiques
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Blogtour – Feeling Close to You | Gaming & Streamen als Frau – Von Unverständnis, Sexismus und Akzeptanz

Rezensionsexemplar/unbezahlte Kooperation // Mit „Feeling Close to You“ und „Finding Back to Us“ stehen seit dem 24.02. gleich zwei neue Bücher von Bianca Iosivoni in den Buchhandlungen. In „Feeling Close to You“ wird ein Thema behandelt, das selten bis gar nicht in New oder Young Adult Romanen anzutreffen ist: Gaming! Protagonistin Teagan ist Gamerin und veranstaltet regelmäßig Livestreams, mit denen sie sich ihren großen Traum vom Game-Design-Studium finanzieren möchte. Beim Streamen lernt sie durch einen Zufall den bekannten Gamer Parker kennen, der nicht nur ihre Gaming-Welt auf den Kopf stellt… Und genau aus diesem Grund gibt es heute (als Teil einer Blogtour zu „Feeling Close to You“, mehr dazu hier!) einen Beitrag zum Thema „Gaming & Streaming als Frau“, in dem wir uns sowohl das Buch als auch die Gamingszene etwas genauer anschauen. 

Jeder kennt sie, viele finden sie peinlich oder aufgesetzt, von den meisten werden sie belächelt: Gamer-Girls. Frauen, die streamen oder online spielen, sind absolut keine Seltenheit mehr und in vielen Fällen sind sie damit auf Streaming-Plattformen sogar erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen. Die Bandbreite der Reaktionen – egal ob online oder offline – reicht dennoch von mildem Belächeln über spöttische Kommentare bis hin zu sexistischen Anmachsprüchen und Anfragen. Doch wie geht man damit am besten um? Sind die Kommentare vielleicht sogar gerechtfertigt und die „Gamer-Girls“ sind nichts weiter als hübsche Frauen, die eigentlich nichts können, aber dank ihrem Aussehen und ein bisschen „Rumgezocke“ mehr Aufmerksamkeit generieren als ein begabter männlicher Gamer? 

Frauen in Videospielen 

Ganz ehrlich? Diese Figur mit den Riesenbrüsten und der superschmalen Taille war schon längst keine Frau mehr, und die Game Designer gehörten mit dicken Wälzern über Sexismus und Gender-Debatten geschlagen. Trotzdem waren die Spiele gut. 

Teagan in „Feeling Close to You“, S. 76

Wie werden Frauen in Videospielen eigentlich dargestellt? Meistens so wie Teagan sie beschreibt: dicke Brüste, schmale Taille und wenig Kleidung geschweige denn Rüstung. Das mag noch aus Zeiten stammen, in denen hauptsächlich Männer die Zielgruppe der Spieleentwickler waren und Frauen sich kaum fürs Gaming interessierten. Heute ist das allerdings mehr als veraltet. Viele Frauen wünschen sich eine vorurteilsfreie Darstellung von weiblichen Charakteren in Videospielen und sogar einige Männer wollen ein stärkeres, realistischeres weibliches Bild in Spielen. Glücklicherweise gibt es immer mehr junge Frauen wie Teagan, die den Markt nicht nur durch aktives Spielen der Games, sondern gleich selbst als Game-Designerinnen verändern wollen. 

Das Buch Feeling Close to You von Bianca Iosivoni. Foto: Lilli/geek's Antiques

Frauen als Gamerinnen

YES I like video games. NO I won’t date you. Ich musste unweigerlich grinsen. „Cooles Shirt.“ 

Teagan in „Feeling Close to You“, S. 143

Doch obwohl es mittlerweile keine Seltenheit mehr ist, dass eine Frau selbst spielt oder Livestreams im Internet macht, werden Gamerinnen (im Gegensatz zu ihren männlichen Gamer- und Streamingkollegen) immer noch belächelt. Glaubt man den Zahlen des Goethe-Instituts stellen Frauen und Mädchen sogar 50 % der Gamer weltweit. Und warum auch nicht? Schließlich sind die meisten Spiele von ihrem Aufbau her gar nicht geschlechtsspezifisch ausgelegt: Strategie- und Storygames sind im Grunde (wie übrigens fast jedes Brettspiel auch) für jeden geeignet. Und selbst an typischen „Männerspielen“, in denen viel geballert wird, finden Frauen Gefallen. Ein bisschen Dampf ablassen hat noch niemandem geschadet. 

Das Buch Feeling Close to You von Bianca Iosivoni. Foto: Lilli/geek's Antiques

Vorurteile & Sexismus

Oder die alte Nummer: Was? Du bist eine Frau? Kein Wunder, dass dein Team verloren hat! Und mein persönlicher Favorit: Was geht, Baby? Geile Titten. Zeig mal etwas Haut, deshalb sind wir schließlich da.

Teagan in „Feeling Close to You“, S. 129

Mit der steigenden Anzahl an Frauen in der Gaming- und Streamingcommunity geht allerdings auch ein altbekanntes Problem einher: Sexismus. Frauen, die spielen und das dann auch noch öffentlich teilen oder gar live streamen, sehen sich oft mit dem Vorwurf konfrontiert, sich für Klicks im Internet zu „prostituieren“ und eigentlich gar keine „echten“ Gamerinnen zu sein. Hat also die Szene ein Problem mit den Frauen oder haben die Frauen aufgrund von Sexismus ein Problem mit der Szene? Ganz egal, wie man es aufzieht, eines ist klar: Frauen haben es – zumindest was die Akzeptanz angeht – deutlich schwerer, wenn sie in der Gamingszene Fuß fassen wollen. Sexistische Sprüche, sehr eindeutige Angebote oder die Aufforderung, doch mal die „Titten“ in die Kamera zu halten, sind Alltag für spielende Frauen. 

Das Buch Feeling Close to You von Bianca Iosivoni. Foto: Lilli/geek's Antiques

Realität: Feeling close to you

Mehrere Monitore, zwei Desktop-PCs, ein individuell zusammengestelltes Soundsystem, meine drei liebsten Headsets, fünf Controller – jeder in einer anderen Farbe – und der gemütlichste Drehstuhl auf Gottes Erden. Hier war ich zu Hause. 

Teagan in „Feeling Close to You“, S. 20

Aus weiblicher Sicht besteht aber eigentlich gar kein Grund, eine so große Debatte um das Thema „Frauen und Gaming“ am Laufen zu halten. Egal ob tiefausgeschnittenes Shirt oder Gammelpulli (beides führt in der Regel zu einem Aufschrei in der Community) – wer spielen will, der soll spielen und dabei tragen, was er oder sie möchte. Auch für Frauen kann die Gaming-Area im eigenen Zimmer oder der Wohnung „zuhause“ sein und technisches Equipment ist längst kein reines „Männerspielzeug“ mehr. 

Das hier waren Leute wie ich. Und dieser Gedanke half mir dabei, mich etwas zu entspannen […]

Teagan in „Feeling Close to You“, S. 136

In den letzten Jahren haben es viele Gamerinnen und Streamerinnen geschafft, sich in der Gamingszene einen Namen zu machen und sich trotz des massiven Gegenwindes durchzusetzen. Das hilft anderen Frauen wiederum, selbstbewusst mit den Kommentaren umzugehen und sich mehr zuzutrauen. Am Ende zählen weder das Aussehen, noch die Kommentare, sondern nur der Spaß an der Sache und dass man die Zuschauer möglichst gut unterhalten kann. Und so lassen sich hoffentlich auf Dauer auch die Lächler, Neider und Sexisten eines Besseren belehren. Denn letztendlich sollte es für ein gutes Spiel egal sein, welches Geschlecht jemand hat. 

Das Buch Feeling Close to You von Bianca Iosivoni. Foto: Lilli/geek's Antiques

Wie es sein sollte

[…] eine ganz bestimmte junge Frau mit langen, teilweise lila gefärbten Haaren, einer unglaublichen Ausstrahlung und einem Konkurrenzdenken, das mich herausforderte und zu Höchstleistungen antrieb. 

Parker in „Feeling Close to You“, S. 153

Ein gutes Vorbild in Sachen Akzeptanz aus männlicher Perspektive ist Parker, der in Teagan kein „dummes Gamerweibchen“, sondern eine echte Konkurrentin und knallharte Kämpferin sieht. Für Parker ist Teagan eine Frau, die spielt. Punkt. Kein Grund zu Sexismus, dummen Sprüchen oder neidischen Kommentaren, die den Erfolg auf den „Tittenbonus“ schieben wollen. Und genau so sollten mehr Menschen an die Sache herangehen: mit Bewunderung für die Leistungen die Gamerinnen und Gamer erbringen, mit Begeisterung für die Welten, die Spiele eröffnen und ein bisschen mehr Akzeptanz für die „seltsamen“ Hobbies anderer Leute.

In diesem Sinne: lest das Buch, begleitet Teagan beim Spielen, Streamen und auf Conventions. Erlebt, wie sie selbst die besten Spieler im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintern tritt und wie sie für ihren Traum vom Game-Design-Studium kämpft. 

Die anderen Beiträge der Blogtour findet ihr bei diesen wundervollen Bloggerinnen:

Anabelle von stehlblueten.de über Teagan, Parker & die WG:
https://stehlblueten.de/2020/02/feeling-close-to-you-charaktere/
Julia von thebookdynasty.de mit einem Book-Slam:
https://thebookdynasty.de/feeling-close-to-you-bianca-iosivoni-book-slam-man-muss-auf-level-1-beginnen/
Andrada von andradasbooks.wordpress.com über Online-Freundschaften:
https://andradasbooks.wordpress.com/2020/02/26/feeling-close-to-you-bianca-iosovini-online-freundschaften/
Ramona von kielfeder-blog.de zum Thema Träume verwirklichen:
https://kielfeder-blog.de/feeling-close-to-you-traeume-verwirklichen-blogtour/
Jule von missfoxyreads.de mit einer Gaming-Liste „Play it like Teagan“:
https://www.missfoxyreads.de/2020/02/28/feeling-close-to-you-bianca-iosivoni/
und zum Abschluss ein Interview mit Bianca Iosivoni auf Yvonnes Blog Seitenglück seitenglueck.wordpress.com!

Literaturverweis:
Iosivoni, Bianca (2020): Feeling Close to You. Köln: LYX (Bastei Lübbe)

Weiterführende Informationen:
Das Frauenbild in Videospielen: https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-08/videospiele-computer-rollenbilder-frauen-umfrage

Das Goethe-Institut zu Frauen und Gaming: https://www.goethe.de/ins/br/de/kul/fok/fga.html

Sexismus in der Gaming-Szene (Interview mit Lara Loft und anderen Gamerinnen): https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/feature-frauen-in-der-gaming-welt-100.html

Ich habe dieses Exemplar von LYX (Bastei Lübbe) als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür! Die Buchdaten sind der Verlagshomepage entnommen.

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