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Rezension & Rezept | Irisches Shortbread für OMG, diese Aisling! von Sarah Breen & Emer McLysaght

Rezensionsexemplar // Aisling packt ihre Sachen und zieht nach Dublin, um neu anzufangen – heißt übersetzt: ein Mädchen vom Lande wirft alles über den Haufen und zieht in die große weite Welt. Was nach altbekannter Story klingt, ist im Grunde eigentlich etwas komplett Neues. In „OMG, diese Aisling!“ begleiten wir nämlich einen Charakter, der von den beiden Autorinnen ursprünglich (schon 2006) auf Facebook als „die stereotypische Freundin“, die jeder kennt, angelegt wurde: zurückhaltend, nett, pflichtbewusst und hilfsbereit, engagiert und immer die, die den Kuchen mitbringt. In Deutschland wäre sie wohl das klassische „Lieschen“. Im Buch erleben wir allerdings, wie dieser Charakter sich aus den Ketten seiner Stereotypie befreit: Aisling bricht aus. Und das zu lesen ist extrem witzig, ziemlich chaotisch und manchmal so traurig, dass man einfach einen Keks gebrauchen könnte. 

Wieso eigentlich nicht mal direkt die passenden Kekse zum Buch mitliefern? Dazu einen schönen irischen Barry’s Tea und dem gemütlichen Leseabend mit Aisling steht nichts mehr im Weg. In diesem Beitrag kombinieren wir deshalb eine Rezension mit einem Rezept. Wir schauen uns Aisling etwas genauer an und backen dabei typisches irisches Shortbread!

Ab nach Irland!

Zuerst ein kleiner Abstecher in die Heimat von Aisling: Willkommen in Ballygobbard, dem irischen Örtchen mit dem komisch klingenden Namen und den stinklangweiligen Einwohnern. Mittendrin Aisling, Ende 20, glücklich vergeben an John und in freudiger Erwartung auf den Heiratsantrag. Der allerdings nicht kommen will – auch nicht nach einem gefangenen Brautstrauß und einem gemeinsamen Trip nach Teneriffa, den Aisling natürlich komplett durchgeplant hatte. Also macht Aisling kurzerhand Schluss und zieht nach Dublin zu ihrer Freundin mit einem noch komischeren irischen Namen: Sadhbh. 

(An dieser Stelle der Tipp: versucht erst gar nicht die Namen auszusprechen und schaut gleich nach, wie es heißen muss. Die Vorlesestimme in eurem Kopf wird es euch danken!) 

In Dublin trifft das leicht naive Dorfmädchen dann auf ein entspanntes WG-Leben, Partygirls & attraktive Männer und wird auch noch in einen Finanzskandal in ihrer Firma verwickelt. 

Während wir uns jetzt Gedanken machen, was in Aislings Leben noch alles schief gehen könnte, (Spoiler: einiges!) legen wir uns gleich schon einmal die Zutaten für das irische Shortbread bereit. Es sind nämlich nur drei. 

Für echtes irisches Shortbread benötigt ihr:

3 Teile Mehl (z.B. 300 g)
2 Teile Butter (z.B. 200 g)
1 Teil Zucker (z.B. 100 g)
*Ihr könnt die Menge einfach variieren, es sollte nur immer im Verhältnis 3:2:1 sein.

Im Übrigen kommt das „echte irische Shortbread“ eigentlich gar nicht wirklich aus Irland, sondern aus Schottland. In Irland wird es aber nahezu überall zu Tee, Kaffee und als kleiner süßer Snack zwischendurch serviert.

Für den Teig vermischt ihr zuerst die Butter mit dem Zucker, bis die Masse cremig ist. Dann siebt ihr das Mehl nach und nach dazu (wer mag, kann noch eine Prise Salz ergänzen) und verknetet alles zu einem glatten, festen Teig. Wickelt den Teig in ein Stück Folie. 

Der Teigklumpen kommt jetzt für 30 Minuten in den Kühlschrank. In dieser Zeit schauen wir einfach nochmal nach Aisling.

Wieso ist Aisling anders?

Aisling ist zu Beginn des Buches – im Gegensatz zu den meisten Protagonistinnen in vergleichbaren Büchern – bereits 28, fertig mit dem Studium und vergeben. Wir befinden uns also nicht in der klassischen Situation „Anfang 20, Studentin, Single“, sondern mitten im Leben einer berufstätigen jungen Frau, die in ihrem Heimatdorf geblieben ist. Und dann macht Aisling den Schritt in die „falsche“ Richtung: statt Heirat, Kinder, Haus mit Zaun entscheidet sie sich für Trennung, Großstadt und WG-Leben. Plötzlich ist der ganze schöne Plan, den Aisling für ihr Leben (und das von John) hatte, nichts weiter als eine geplatzte Seifenblase und die Zukunft ungewiss. 

Im weiteren Verlauf der Geschichte begleiten wir Aisling also durch den neuen Single-Alltag in Dublin und erleben den tagtäglichen Konflikt zwischen ihren „alten“ traditionellen Ansichten und der „neuen“ lockeren Mentalität der Millenials in der Stadt. Neben diesem humoristischen Kulturkampf bekommen wir aber auch viel irisches Feeling in Form von Namen (nochmal: vorher die Aussprache nachlesen!), Pubs, Geschäften und Essen. Womit wir wieder beim Shortbread wären!

Teigverarbeitung

Nehmt den Teig aus dem Kühlschrank und knetet ihn noch einmal mit den Händen durch. Dann rollt ihr in auf eine Dicke von etwas 1,5 cm aus. Achtet darauf, dass er schön gleichmäßig dick ist. Wenn ihr verschiedene Formen von Shortbread machen wollt, solltet ihr ein Rechteck und einen Kreis ausrollen (am besten direkt auf dem Backpapier). Wenn das nicht klappt, kann man sich den ausgerollten Teig mit einem Messer auch einfach auf die passende Größe zuschneiden. 

Für die klassischen „Fingers“ teilt ihr das Rechteck einmal längs in der mit Mitte und die beiden Hälften nochmal in etwa gleich breite längliche Stücke. Lasst den Teig trotz Schnitt aber genau so liegen, denn das Shortbread wird am Stück gebacken, die vorher gesetzten Schnitte erleichtern nach dem Backen das Zerteilen. Piekst mit einer Gabel nun noch die typischen kleinen Löcher in den weichen Teig. 

Für die dreiecksförmigen Kekse schneidet ihr den rund ausgerollten Teig einfach wie eine Pizza in 8 gleich große Teile. Auch hier gilt: nur schneiden, nicht zerteilen! Mit der Gabel piekst ihr Löcher in die Dreiecke und drückt mit der Gabel noch Rillen an den äußeren Rand. 

Die fertig geschnittenen Shortbread-„Fingers“ bzw. die Dreiecke kommen nun zusammen aufs Backblech und für 20 bis 30 Minuten bei 160 Grad in den Ofen. Sie sollten leicht golden sein, aber auch nicht zu dunkel werden, denn sonst sind sie ein bisschen trocken. Während die leckeren Shortbread-Kekse im Ofen backen, gehen wir noch einmal zurück zu „OMG, diese Aisling!“. Aber nicht die Zeit aus den Augen verlieren, sonst verbrennen die Kekse!

In jedem von uns steckt ein bisschen Aisling

Warum sollte man das Buch lesen wollen (und dazu massenweise Shortbread verdrücken)? Aisling ist im Prinzip wie viele von uns. Nicht auffallend besonders, kein Partygirl, aber eben auch nicht langweilig, sie ist zuverlässig, hat normale Ansprüche an das Leben und wie jeder Durchschnittsmensch auch nicht immer Glück. Genau genommen geht sogar einiges schief und Aisling muss sich immer wieder aufrappeln, umentscheiden und sich selbst neu entdecken. Auch das Ende ist nicht perfekt, wie es im echten Leben eben selten ist. Und genau deshalb ist „OMG! diese Aisling!“ ein so ehrliches und lustiges Buch, das den Geist der Millenial-Generation genau trifft. Im Guten wie im Schlechten.

Es ist locker geschrieben und in der deutschen Übersetzung merkt man auch nicht, dass zwei Autorinnen gemeinsam am Text gearbeitet haben. Die Handlung ist erfrischend anders, die Themen tiefgründiger als man ob des Genres vermuten könnte und die emotionale Reise beim Lesen reicht von lautem Lachen über Fremdscham bis hin zu stillem Weinen.

Ja, es spielt mit (Irland-)Klischees – was aber auch beabsichtigt ist, siehe der „Start“ von Aisling auf Facebook. Und ja, manchmal handelt Aisling einfach dumm und naiv, aber wer macht bitte keine Fehler – gerade wenn man sich in einer völlig neuen Umgebung wiederfindet? „OMG, diese Aisling!“ ist keine perfekte New-Adult-Romanze, sondern humorvolle Chick-Lit mit kleinen Ausreißern in Richtung Politik, Feminismus und die Frage, wieso Frauen eigentlich immer geschminkt sein müssen.

Man sollte beim Lesen einfach eines NICHT tun: das Buch oder Aisling allzu ernst nehmen. Es wurde von den beiden Autorinnen mit einem Augenzwinkern geschrieben und sollte auch so gelesen werden. 

Zurück zu den Keksen

Inzwischen dürfte das Shortbread die richtige Färbung haben und kann aus dem Ofen genommen werden. Schiebt die einzelnen Kekse vorsichtig mit einem Messer auseinander und lasst sie abkühlen. Und dann schnappt euch das Buch, einen Teller voller Shortbread, lasst den Tee durchziehen und besucht Aisling in Irland!

Literaturverweis:

Sarah Breen & Emer McLysaght (2019): OMG, diese Aisling! bold / dtv Verlag

Buchdaten:

Einband: flexibler Einband
Seitenzahl: 336
Erscheinungsdatum: 23.08.2019
Sprache: Deutsch
Verlag: bold / dtv Verlag
ISBN: 978-3-4232-3002-5 

Ich habe vorab vom Verlag ein PR Paket und das Buch als Leseexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Vielen Dank dafür!

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