Das Buch Faye von Katharina Herzog, eine Tasse Kaffee und eine French Press. Foto: Lilli/geek's Antiques
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Rezension | Faye. Herz aus Licht und Lava von Katharina Herzog

Als Autorin von Liebesromanen für Erwachsene dürfte Katharina Herzog den meisten Lesern ein Begriff sein. Mit ihrem neuen Buch “Faye. Herz aus Licht und Lava” wagt sich Herzog erstmals in ein neues Genre vor: das Jugendbuch verspricht eine zauberhaft-romantische Geschichte, die auf Island spielt. Alte isländische Sagen, eine Elfenbeauftragte und ein dunkles Geheimnis rund um einen sterbenden Baum, dessen Herz gestohlen wurde – mittendrin steckt Faye, die eher widerwillig von ihrer Mutter aus München nach Island gebracht wurde und sich dort direkt mit einem Abenteuer übernatürlicher und romantischer Natur konfrontiert sieht. Doch hält die Geschichte von Katharina Herzog ihr magisches Versprechen oder täuscht die Schönheit Islands nur über eine klischeebeladene Story weg? 

Das Buch „Faye. Herz aus Licht und Lava“

Faye ist Schülerin, lebt mit ihrer Mutter in München und ist seit kurzem Aktivistin einer Bewegung namens “Green Devils”, die mit Seed-Bombs und Pflanzaktionen die kahle Großstadt auf nicht immer ganz legale Art begrünen will. Nicht alle Mitglieder sind wie Faye reine Pflanzenfreunde und so gerät sie durch den schlechten Einfluss in Kontakt mit der Polizei. Fayes Mutter, die als Architektin für einen Auftrag nach Island eingeladen wurde, beschließt, dass sie unter diesen Umständen ihre Tochter nicht alleine lassen kann und nimmt sie kurzerhand mit auf ihre Arbeitsreise nach Island. Faye hat darauf überhaupt keine Lust und wehrt sich vehement. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft auf Island geschehen so viele merkwürdige Dinge, dass sie ihre Gram schnell vergisst und sich auf die Suche nach Antworten macht.

Am ersten Abend wird Faye, die mit ihrer Mutter in einem Ferienhaus in einer kleinen isländischen Stadt untergebracht ist, von einem Schwarm Glühwürmchen zu einem uralten Baum geführt. Laut den Bewohnern der Gegend soll dem Baum, der einmal das Tor zur Elfenwelt darstellte, vor Jahren das Herz gestohlen worden sein, was nun zu seinem langsam eintretenden Tod führt. Faye beschließt aus einem unbestimmten Gefühl heraus, den Baum zu retten und das verlorene Herz aufzuspüren. Dabei stößt sie jedoch nicht nur auf den Widerstand einiger ortsansässiger Isländer, sondern auch auf den ihrer Mutter, die ausgerechnet auf die Lichtung des besagten Baumes ein modernes Hotel bauen soll. Und dann taucht auch noch der klassische Bad-Boy Aron auf, der alles zu verändern vermag. Oder doch nicht?

Das Buch Faye von Katharina Herzog, eine Tasse Kaffee und eine French Press. Foto: Lilli/geek's Antiques

Faye und das Jugendbuch-Klischee

Mit dem Auftreten des Bad-Boys tritt hier schon das erste Mal ein (unnötiges) Jugendbuch-Klischee bzw. eine überflüssige Teenie-Trope in Erscheinung: der undurchsichtige Typ, der zwar irgendwie interessant ist, aber zu Anfang auf jeden Fall unfreundlich, jähzornig, kühl und abweisend sein muss. Es stellt sich die Frage, ob es im Bereich des Jugendbuchs keinen weiteren Aufhänger für eine gelungene (Liebes-)Geschichte zwischen zwei Menschen gibt? Für Katharina Herzog scheinbar nicht. Und Trope Nr. 2 folgt dem Bad-Boy auf dem Fuße: die Naivität der Protagonistin Faye. Sie ist zwar Schülerin und junge 17, doch bedeutet das zwangsläufig, dass man unbedacht, leichtsinnig und naiv handeln muss? Die Antwort sollte wohl nein lauten, für Herzog ist das Naivchen aber vermutlich das perfekte literarische Gegenstück zum Bad-Boy. Schade, denn zu Beginn wirkte der Charakter Faye recht vielversprechend, vielschichtig und anders als viele Figuren in einem ähnlichen Alter und Setting.

Was anhand dieser beiden Klischee-Besetzungen bereits zu Anfang ersichtlich wird, bestätigt sich im weiteren Verlauf der Handlung mit jeder neu eingeführten Person. Denn allesamt sind die Charaktere vor allem durch ihre starren Rollen, ihre fehlende Entwicklung und ihre Austauschbarkeit gekennzeichnet – wir begrüßen hier Klischeefigur Nr. 3 bis 42 in Form von beispielsweise “netter, alter Dame”, “stiller, rauer Seebär”, “coole, quirlige neue Freundin” und “fieser Geschäftsmann”. Leider führt das auch dazu, dass die Bedeutung der einzelnen Figuren entweder schon nach wenigen Zeilen klar wird und so am Ende kaum eine Überraschung bleibt oder dass manch eine Person schlichtweg überhaupt keinen Zweck erfüllt, kurz eingeführt und mit dem Fortschreiten der Geschichte einfach fallen gelassen wird. 

Das Buch Faye von Katharina Herzog, eine Tasse Kaffee und eine French Press. Foto: Lilli/geek's Antiques

Die restliche Story

Neben den (möglicherweise noch zu verschmerzenden) Klischees aus der Lovestory-/Jugendbuchszene gibt es allerdings einen weiteren Kritikpunkt, der vor allem für die Phantastik-Leser von Bedeutung sein dürfte: die fehlende Magie der Geschichte. Wobei in diesem Fall “fehlend” vielleicht nicht der richtige Begriff ist, vielmehr wird die Magie zu Anfang schön aufgebaut und bis etwa zur Hälfte des Buches auch nett in die Geschichte eingeflochten, doch zum Ende hin verschwindet der fantastische Hauch und von der versprochenen “Zauberhaftigkeit” aus dem Klappentext bleibt nicht mehr als eine Erinnerung. Obwohl Licht- und Dunkelelfen, Islands Sagen und Legenden sowie verschiedene magische Orte (zu Anfang) eine nicht unwichtige Rolle spielen, verliert sich der Fantasy-Anteil mit steigender Seitenzahl und macht einer langweiligen Lovestory Platz. Die ursprüngliche Suche nach dem Herz des sterbenden Baumes, den familiären Wurzeln von Faye und die Frage, ob es die Elfenwelt nun gibt oder nicht, werden zum Beiwerk einer stinkormalen Teeniegeschichte.

Dieser Umstand und die bereits angesprochene Klischeehaftigkeit der Rollenbesetzung bei den Charakteren machen dann auch das Ende leider absolut vorhersehbar. Bis auf wenige Details, die tatsächlich überraschend kamen, lässt sich der Schluss des Buches schon nach den ersten 100 bis 150 Seiten grob vorhersagen. Vielleicht kann es der Eine oder die Andere auch schon anhand des Klappentextes oder der Rezensionen erraten. Die Diskrepanz zwischen der eigenen Einschätzung der Situation und dem komplett gegenteiligen, teils nicht nachvollziehbaren Verhalten von Faye, bei dem man nur den Kopf schütteln kann, geben dem Ganzen dann den Rest. 

Das Buch Faye von Katharina Herzog, eine Tasse Kaffee und eine French Press. Foto: Lilli/geek's Antiques

Die Insel Island

Was Katharina Herzog indes hervorragend gelungen ist, ist die sprachlich perfekt kuratierte Reise durch Island: das Wetter, die Landschaft und die Menschen in dem kleinen Städtchen werden durch Fayes Erkundungstouren auch für den Leser sehr lebendig und nehmen mit auf eine Lesereise durch das Land der Elfen, Trolle und alten Sagen. Den Beschreibungen ist anzumerken, dass Herzog für die Recherche extra nach Island gereist ist und den Diamantstrand mit seinem schwarzen Sand oder den Schauplatz der Eislagune selbst besucht hat. Allerdings können die schönen Beschreibungen nicht über das extrem schwache letzte Drittel des Buches hinwegtrösten, denn die Enttäuschung nach dem noch recht starken Anfang und mittelmäßigen Mittelteil wirkt beim Lesen des Schlusses deutlich nach. Vor allem das ewige Hin und Her – sowohl örtlich als auch emotional – auf den letzten Seiten nimmt dem Leser viel von der vorher aufgebauten schönen Atmosphäre der Insel.

Aus diesem Grund gibt es für Faye. Herz aus Licht und Lava leider nur 2 von 5 Leseeulen.

Literaturverweis:
Herzog, Katharina (2019): Faye. Herz aus Licht und Lava. Loewe Verlag

Der Buchclub

Wir haben „Faye. Herz aus Licht und Lava“ in unserem Buchclub gelesen! Wenn ihr in Zukunft gerne mitlesen wollt, könnt ihr euch auf unserer Homepage oder auf unserer Instagram-Seite (@fantasticbooksandwheretoreadem) über das aktuelle Buch informieren und uns eine Nachricht schreiben. Wir freuen uns auf jedes neue Mitglied!

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