Ein Stapel Bücher auf einer Schublade. Foto: Lilli/geek's Antiques
Bücher,  Rezensionen

Bücher | Zuletzt gelesen – Gedichte, Mode und Phantastik

April, April, der macht was er will. Nach der Leseflaute der vergangenen Monate sind es überraschenderweise 7 Bücher im April 2019 geworden. Bei den Romanen ging es vor allem wieder in die Fantasy- und Science-Fiction-Richtung, aber auch ein Gedichtband und ein Mode-Buch sowie zwei Kinderbücher waren mit von der Partie. Da es so viele sind, wird es zwei Artikel geben. Einen zu den Romanen und „Erwachsenenbüchern“ und einen zu zwei zauberhaften Kinderbüchern (diesen findet ihr hier!). Vorab sei gesagt: ein Buch kam gar nicht gut weg und es fiel mir recht schwer, eine mehr oder minder objektive Bewertung zu verfassen. Sollte also jemand dieses Buch lieben (was viele tun), so möge er diesen Teil des Artikels gerne überlesen.

Ab ins All und in fremde Welten

Wie immer darf Literatur aus dem Bereich des Phantastischen und der Science-Fiction nicht fehlen. Den Anfang macht ein besonders interessantes Buch einer Selfpublisherin, gefolgt von meinem Sorgenkind-Buch und einem klassischen Fantasy-Roman.

Vereinte Welten: Der Auserwählte von Anke Becker
[Rezensionsexemplar] selfpublished

Was wäre, wenn Frauen das alleinige Sagen hätten? Eine Regierung nur von Frauen gelenkt würde? In „Vereinte Welten“ hat die Weiblichkeit die Macht und zur Sicherung ebenjener soll ein Kind von einer Priesterin mit einem Auserwählten gezeugt werden. Doch bis es zum erwünschten Ritual kommen kann, gilt es einige Hindernisse zu überwinden…

Die Grundidee des Science-Fiction-Romans finde ich außergewöhnlich gut: das Matriarchat, ein verdrehtes Weltbild und eine völlig kaputte Beziehung zwischen den Geschlechtern liefern genügend Stoff für eine gute Geschichte. Zu Beginn der Erzählung wird man als Leser ziemlich in die doch recht fremde Welt hineingeworfen, was ich prinzipiell gar nicht mal schlecht finde. Allerdings hätte ich mir zum Einstieg in die Story vielleicht ein paar Erklärungen mehr gewünscht – besonders was das Matriarchat und das Worldbuilding im Allgemeinen angeht. Die Sprünge zwischen den einzelnen Kapiteln und Perspektiven waren manchmal etwas harsch und dadurch unverständlich. Erst nach etwa der Hälfte des Buches hatte sich bei mir die Handlungslogik eingependelt. Leider kam auch die Charakterentwicklung der Personen nicht wirklich voran, was wahrscheinlich dem Umstand geschuldet ist, dass die Handlung mit Band 1 („Der Auserwählte“) nicht abgeschlossen ist und im Folgeband („Fremde Macht“) fortgeführt wird. Mir hat allerdings dadurch an manchen Stellen die Tiefe gefehlt, auch wenn die schöne, poetische Sprache der Autorin einiges wieder wett macht!

Für all jene Leserinnen und Leser die eine dystopische Sci-Fi-Welt aus matriarchalischer Sicht erleben wollen, bietet „Vereinte Welten“ eine solide Geschichte, die sich durch Ideenreichtum und eine blumige Sprache auszeichnet.

Das Buch Obsidian von Jennifer L. Armentrout. Foto: Lilli/geek's Antiques

Obsidian von Jennifer L. Armentrout
erschienen bei Carlsen

Die Obsidian-Reihe und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr. Ich weiß, viele Leserinnen lieben das Buch und vergöttern Jennifer L. Armentrout. Ich kann leider weder mit ihren Themen noch mit der sprachlichen Ausgestaltung der Bücher etwas anfangen. Aber worum geht es eigentlich?

„Obsidian“ ist der erste Band einer fünfteiligen, bereits abgeschlossenen Reihe. Da die Bücher eingeschlagen sind wie eine Bombe und es eine richtige Fangemeinde in Deutschland gibt, haben wir mit unserem Buchclub entschieden, den ersten Band gemeinsam zu lesen. Zuerst einmal klingt die Story auch wirklich vielversprechend: die junge Buchbloggerin Katy zieht mit ihrer Mutter in eine neue Stadt und hat (ganz klassisch) anfangs Probleme, neue Kontakte zu knüpfen. Ihre nette Nachbarin erbarmt sich und begrüßt sie freundlich in der Nachbarschaft. Nur mit dem Bruder der neuen Freundin scheint etwas nicht zu stimmen. Er verhält sich komisch und schließlich wird Katy vor der Bibliothek von einem Mann angegriffen… So weit, so gut. Die Geschichte könnte Potenzial haben.

Falsch gedacht (alle Fans der Reihe bitte ab hier nicht mehr weiterlesen! Außer natürlich ihr lasst euch so gerne runtermachen wie Katy…). Die ganze Story ist eine wirklich abartig romantische und schrecklich toxische Kopie von „Twilight“. Wer die „Biss“-Reihe also schon für kitschig hält, sollte „Obsidian“ besser gar nicht erst anfassen. Die Protagonistin ist naiv, dämlich und ein absolut unselbstständiges Dummerchen, das sich Hals über Kopf in den Jungen verliebt, der sie beleidigt, abweist, hintergeht und ausnutzt.

Da mich die Geschichte von vorne bis hinten furchtbar aufgeregt hat, gibt es hier noch eine ausführliche Besprechung, die allerdings massive Spoiler enthält.

Das Buch "Flammenwüste" von Akram El-Bahay. Foto: Lilli/geek's Antiques

Flammenwüste von Akram El-Bahay
erschienen bei Bastei Lübbe

Auf der Phantastika 2017 bin ich das erste Mal bewusst auf Akram El-Bahay aufmerksam geworden und habe mir daraufhin nach und nach seine Bücher geholt. „Flammenwüste“ ist ein Fantasy-Roman, der in einer fiktiven orientalischen Welt spielt, aber viele Dinge der klassischen westlichen Phantastik aufgreift. So beginnt die Geschichte auch passenderweise mit dem Märchenerzähler Nûr, der seinen aufmerksamen Zuhörern in einem Mokkahaus von den fast vergessenen Drachen aus alten Zeiten erzählt. Doch Gerüchte werden laut, dass die Drachen zurückgekehrt sind und in der Gegend die Karawansereien und Dörfer niederbrennen. Ehe Nûr und sein Enkel Anûr sich versehen, geraten sie mitten in eine Drachenjagd hinein. In den Tiefen der Wüste warten aber nicht nur Drachen auf die Abenteurer, sondern auch andere alte Wesen – mal menschlich, mal gänzlich unvorstellbar.

In Akram El-Bahays Welt gibt es die typischen Fabelwesen, aber genauso auch fliegende Teppiche, Wüstenstädte und Oasen. Was mich besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass hier die Mythologie des Abendlandes auf die Magie von 1001 Nacht trifft. Statt mittelalterlicher Fantasy bringt arabische Folklore den Leser zum Staunen und katapultiert ihn mit viel Spannung in ein (halbwegs) offenes Ende. Auf den zweiten Band freue ich mich daher besonders!

Stil zeigen! – mit einem Gedichtband und französischem Chic

Es ist unangenehm im Sonnensystem von Martin Amanshauser
NEU! [Rezensionsexemplar] erschienen bei Kremayr-Scheriau

Das Buch "Es ist unangenehm im Sonnensystem" von Martin Amanshauser. Foto: Lilli/geek's Antiques

Ein Buch, in dem es um Schildkröten, Kneipen, Windsurfen, Social Media und Charlie Hebdo gleichzeitig geht, muss ein klein wenig verrückt sein. In Martin Amanshausers „Es ist unangenehm im Sonnensystem“ kommt alles auf den Tisch und wird literarisch verarbeitet. Manchmal in Form eines klassischen Gedichts mit Reimschema, manchmal als kunstvolle Aneinanderreihung von losen Worten. Dabei dreht sich alles um aktuelle Themen der Politik und des Zeitgeschehens, das Internet sowie alltägliche Seltsamkeiten, die Amanshauser beobachtet. Zur Einordnung hier eine kleine Kostprobe aus „ringelnatz und morgenstern“:

ringelnatz und morgenstern
dichten voll erbittert
demoliern den arbeitsplatz
morgenstern: er twittert.

[…]

Wer Gedichte in der Form, wie Goethe oder Hesse sie schrieben, gewohnt ist und mag, wird mit der Amanshauschen Lyrik vielleicht nicht allzu viel anfangen können. Wenn man aber bereit ist, sich auf ein Gedankenwirrwarr einzulassen und ein Gedicht auch mehrmals zu lesen, wird man schnell mit viel Witz und Melancholie belohnt. Auch wenn ich von Martin Amanshauser etwas anderes erwartet hatte, wurde ich doch am Ende nicht enttäuscht und habe herzhaft gelacht. 

Dress like a Parisian von Aloïs Guinut
NEU! [Rezensionsexemplar] erschienen bei Prestel

Ich bin ein großer Fan von Mode- und Stil-Büchern. Besonders der Klassiker „Die Lady“ wird immer wieder ausgepackt, wobei dort eher der zurückhaltende deutsche und britische Stil im Mittelpunkt steht. Das Besondere am Pariser Chic bzw. das „je ne sais quoi“ ist, dass es einerseits „angezogen“ und nicht „verkleidet“ aussieht, andererseits aber oft wie „ohne große Vorbereitung aus dem Schrank genommen und übergeworfen“ und dennoch „gestylt“ daherkommt. Ein bisschen, als würden die Pariser ihre Seele als Kleidung tragen und ihr Innerstes zur Schau stellen. Man erkennt einen roten Faden und trotzdem ist jeder Look sehr individuell.

Das Buch "Dress lika a Parisian" aus dem Prestel-Verlag. Foto: Lilli/geek's Antiques

Die Autorin Aloïs Guinut ist Pariserin, hat am Institut Français de la Mode studierte und danach lange Zeit als Trendscout in der Modebranche gearbeitet. Von der Grundstruktur ist „Dress like a Parisian“ aufgebaut wie ein Ratgeber für die französische Eleganz. Die Kapitel behandeln dabei bestimmte Themenkomplexe wie Muster, die Silhouette, Stoffe, Accessoires und Styles. Das Buch ist voller Fotos von verschiedenen Outfits mit einer Liste der passenden „Must Haves“, um das Outfit zu rekreieren. Trotzdem wirken die Tipps nicht wie eine Liste, die man abhaken muss, um sich schick zu kleiden, sondern sie dienen als Inspiration und Aufforderung, etwas experimentierfreudiger zu sein und seinen eigenen Stil zu finden.

Was habt ihr in den vergangenen Wochen und Monaten so gelesen? Habt ihr Tipps?

© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
geeksantiques.de

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