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Literatur | In 8(0) Büchern um die Welt!

Keine große Reise in diesem Sommer geplant? Keine Lust auf ewiges Packen, die ganzen Vorbereitungen und den Stress? Oder schlichtweg armer Student ohne Geld? Ganz egal, wie die Gründe sein mögen, wer keine längere Reise macht und trotzdem unter Fernweh leidet, kann auch auf eine etwas unkonventionelle Art auf seine Entdeckerkosten kommen. Und zwar mit Büchern! Ein Jahresausweis für die Bücherei kostet in den meisten Städten gerade einmal knapp 20 Euro und ausleihen kann man meist bis zu 30 Bücher gleichzeitig. Aber wo soll es nun hingehen? Eine literarische Weltreise.

Obwohl es sicher genügend Lesestoff gäbe, reisen wir nicht in Anlehnung an Jules Verne „In 80 Büchern um die Welt“, sondern nur in 8 Werken. Sie führen uns nach Indien, Australien und Patagonien, aber auch in unser Nachbarland Niederlande und ins ferne Alaska. Bei den Titeln handelt es sich allerdings nicht um die typische Strandlektüre oder den angenehm-seichten Urlaubsroman. Vielmehr bereisen wir literarisch Orte und Gegenden, die es tatsächlich einmal so gab oder sogar immer noch gibt, erforschen die Seele der Länder und der Menschen, lernen ihre Geschichte kennen und entdecken neue Welten.

Abenteuer Natur
Wir beginnen unsere Reise auf dem amerikanischen Kontinent, hoch oben in der Weite Alaskas, wo sich die Natur von ihrer rauen Seite zeigt:

In die Wildnis von Jon Krakauer
erschienen bei Piper, übersetzt von Ulrike Frey und Stephan Steeger

Das Buch des erfahrenen Bergsteigers Jon Krakauer erschien bereits 2007. Es ist weniger ein Roman als ein Erlebnisbericht aus der Wildnis Alaskas. Nachdem im Jahr 1992 die Leiche von Chris McCandless im Eis gefunden wird, begibt Krakauer sich auf eine Reise, um den Tod des jungen Mannes zu rekonstruieren und mehr über seine Beweggründe in Erfahrung zu bringen… Wer in die Seele Alaskas blicken möchte, ist hier an der richtigen Adresse.

Vom hohen Norden aus reisen wir anschließend nach Patagonien im Süden Amerikas und stürzen uns in einen atmosphärischen Reisebericht:

In Patagonien von Bruce Chatwin
erschienen bei rororo, übersetzt von Anna Kamp

Patagonien – ein Land, das eigentlich keines mehr ist. Denn seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das ehemalige Land zwischen Chile und Argentinien aufgeteilt. Bruce Chatwin bereiste das Land in seinen Mitdreißigern und verfasste ein Werk, das sowohl Reisebericht, als auch Erzählung, Abhandlung und Geschichtsschreibung sein könnte. Auf jeden Fall ein Stück Reiseliteratur, deren Lektüre sich lohnt.

Begegnung mit dem Fremden
Schweren Herzens verlassen wir Patagonien und machen uns quer über den Atlantik auf den Weg nach Den Haag in den Niederlanden:

Hotel des Indes von Kees Ruys
erschienen bei Atlas-Contact, niederländische Originalausgabe

Das „Hotel des Indes“ ist ein altes Den Haager Hotel, erbaut zur Kolonialzeit in der Tradition indonesischer Kaffeehäuser. Ein zeitgenössischer Autor begibt sich auf der Suche nach Inspiration in die Lobby ebenjenes Hotels und trifft dort auf eine ihm unbekannte Dame. Sie kommen ins Gespräch und in der Annahme, sich zufällig und danach nie wieder zu sehen, vertrauen sie einander nach kürzester Zeit ihre geheimsten Gedanken an. Wir spielen dabei den stillen Beobachter und erfahren vieles über die Menschen, die Kultur und die Geschichte der Stadt Den Haag.

Voller Emotionen und neuer Gedanken verlassen wir das Hotel und begeben uns nach Israel, wo wir mit Themen wie Flucht und Vertreibung konfrontiert werden und die Geburt des Landes miterleben:

Leon Uris: Exodus
erschienen bei Heyne

In „Exodus“ erzählt der jüdisch-amerikanische Schriftsteller Leon M. Uris die Geschichte der Gründung Israels. Der Roman erschien erstmals 1958 auf Englisch und wurde seitdem viele Male in diverse Sprachen übersetzt und neu aufgelegt. Die Handlung umfasst den Zeitraum von 1946 bis zum Jahr 1949, in dem der Palästinakrieg endete. Protagonisten der Handlung sind die amerikanische Krankenschwester Kathrine Fremont und der jüdischer Freiheitskämpfer Ari Ben Kanaan, die vor den Judenpogromen in das „gelobte Land“ fliehen. Durch sie bekommen wir einen Einblick in Schicksal und Leben vieler europäischer Juden, die sich eine neue Existenz aufbauen und den Staat Israel mitbegründen. Ein historischer, ernüchternder und sehr lehrreicher Roman – realitätsnah, aber mit vielen literarischen Freiheiten.

Den Blick voller Zuversicht gen Europa gerichtet, reisen wir über das Mittelmeer nach Italien und begleiten Elizabeth Gilbert auf der Suche nach sich selbst:

Eat Pray Love von Elizabeth Gilbert
erschienen im Berlin Verlag Taschenbuch, übersetzt von Maria Mill

In diesem Roman lernen wir gleich drei Länder und ihre Eigenheiten kennen: Dolce Vita in Italien, Meditation in Indien und pures Glück auf Bali. Denn die Autorin Elizabeth lässt uns mit einem einmaligen Reisebericht an ihren Erfahrungen und Eindrücken teilhaben, während sie auf der Suche nach dem wahren Sinn des Lebens alles hinter sich lässt, um ohne Plan und Checkliste die Welt zu bereisen.

Fernab der Gesellschaft
Obwohl wir Indien schon einen kurzen Besuch abgestattet haben, kehren wir noch einmal zurück, um in eine völlig andere Welt abzutauchen:

Shantaram von Gregory David Roberts
erschienen bei Goldmann, übersetzt von Sibyille Schmidt

Die Geschichte ist so kurzweilig wie brillant: ein Australier strandet auf der Flucht vor Interpol in Bombay und trifft auf den jungen, hilfsbereiten Inder Prabaker, der ihm Unterschlupf und Hilfe gewährt. Geläutert und voller Reue lernt er die Landessprache, die Sitten und Gebräuche und wird selbst zu Shantaram, einem Mann des wahren Friedens, der sich für die Bedürfnisse der Armen und Vergessenen einsetzt. Bis eine schicksalhafte Begegnung ihn wieder auf die schiefe Bahn bringt. Für Indienkenner und -liebhaber wird es sich wie nach Hause kommen anfühlen, für alle anderen ist es eine Reise in eine neue, völlig andere Welt mit all ihren guten und schlechten Seiten…

Am Ende verlassen wir Indien dennoch endgültig, reisen einige tausend Kilometer weit nach China und lassen uns in einen Kriminalfall á la Umberto Ecos Name der Rose und Sir Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes verwickeln – nur auf die chinesische Art:

Nächtlicher Spuk im Mönchskloster von Robert van Gulik
erschienen bei Diogenes

Eine Panne, eine erzwungene Rast in einem taoistischen Mönchskloster und ein alter Mordfall, der in einer stürmischen Nacht neu aufgerollt wird: Robert van Gulik eröffnet uns einen neuen Fall, den  es für Richter Di und seinen Gehilfen Tao Gan zu lösen gilt. Rasant, klug, spannend und nicht so vorhersehbar, wie es anfangs vielleicht erscheint. Und zudem ein Kurzroman, der die chinesische Seele nach Europa transportiert, wie es nur selten eine Erzählung vermag!

Nachdem der Fall gelöst ist, geht es weiter: die letzte Station auf unserer kleinen Weltreise ist Australien. Oder vielmehr das Australische Outback der Aborgines:

Traumfänger von Marlo Morgan
erschienen bei Goldmann, übersetzt von Anne Rademacher

Auch hier handelt es sich im eine Reiseerzählung der Autorin selbst. Die amerikanische Ärztin Marlo Morgan wagt sich als Gast der Aborigines auf eine dreimonatige rituelle Wanderung durch Australien – und erfährt dabei mehr über sich selbst und das Menschsein, als sie es sich jemals zu träumen gewagt hätte…

Nach nunmehr 9 Ländern und 8 Büchern endet unsere literarische Weltreise. Wir blicken zurück auf atemberaubende Naturlandschaften, Fremde, die zu Freunden wurden, waghalsige Abenteuer und ruhige Momente der Besinnung. Und das große Glück: eine Rückkehr nach Patagonien, Indien oder Israel ist jederzeit nur ein paar Seiten entfernt!

© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
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