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TheoloGeek | Der Teufel in „The Consultant“ – Christliche Motive & Symbolik erklärt

Seit dem 24. Februar ist bei Prime Video eine neue Amazon-Eigenproduktion mit Christoph Waltz zu sehen: The Consultant ist eine Adaption des Buchs „The Consultant“ (2016, dt. „Der Berater“, Buchheim Verlag 2019) des amerikanischen Horror-Autors Bentley Little. Wer die Bücher von Little kennt, weiß, dass sie oft eine satirische Verarbeitung realer gesellschaftlicher Spannungsfelder beinhalten und auch bei „The Consultant“ ist dies der Fall. Die als „Comedy-Thriller“ beschriebene 8-teilige Mini-Serie ist nämlich eine vortreffliche Satire auf die Arbeitswelt, vor allem jene im Silicon Valley, die von einem dämonischen Berater ordentlich aufgemischt wird.

Aber worum geht es eigentlich? Die Serie erzählt die Geschichte der Angestellten einer Firma für Mobile Gaming namens CompWare. Nach dem Tod des Gründers und Geschäftsführers Sang Woo (gespielt von Brian Yoon) übernimmt „der Berater“ in Gestalt von Regus Patoff (Christoph Waltz) die Führung des Unternehmens und treibt fortan die Mitarbeiter in den Wahnsinn – oder die Kündigung.

The Consultant: Horror, Okkultes und (christliche) Symbolik

Bentley Little ist ein Meister des Horrorgenres und definitiv noch einige Stufen krasser als Stephen King – meinen letzten Little (nämlich Die Universität, Buchheim Verlag 2019) habe ich im Oktober 2022 gelesen und muss immer noch regelmäßig an einige der heftigeren Szenen denken. Es war also keine Frage, ob ich „The Consultant“ schauen werde oder nicht. Auch wenn die Serie bei weitem nicht so brutal und explizit daherkommt wie Littles Bücher, strotzt sie nur so vor Referenzen: Horror, Okkultismus, christliche bzw. religiöse Symbolik und kleine Easter-Eggs finden sich in allen Folgen.

Wir schauen uns einige dieser Referenzen etwas genauer an. Die Hinweise bzw. Symbole sind nämlich nicht zufällig platziert, wie ihr bereits beim Serienintro sehen werdet. An dieser Stelle sei eine SPOILER-WARNUNG für alle 8 Folgen von „The Consultant“ ausgesprochen, denn ohne den inhaltlichen Kontext lassen sich viele Dinge nur schlecht besprechen.

Das Intro von „The Consultant“ – ein Foreshadowing?

Bevor wir überhaupt erfahren, mit welcher Konstellation von Figuren wir es in „The Consultant“ zu tun haben, bekommen wir ein düster-makabres Intro in rot-schwarz-weißer Färbung präsentiert: die Vertragsunterlagen des „Consultant“ mit Fliegen, die über das Papier krabbeln. Lebende Maden nebst Happy Pills und ein Gewirr aus Schlangenkörpern und Kabeln, die sich winden wie Gedärme. Die Dualität von Teufels- und Todessymbolik und üblichen Gegenständen aus der Tech-Arbeitswelt geben hier schon den ersten Ausblick auf die Deutungsmöglichkeiten der vielen Easter-Eggs in der Serie:

Fliegen als Symbol für den Teufel?

Fliegen haben (je nach Kulturkreis und Kontext) verschiedene symbolische Bedeutungen. So stehen sie in manchen Kulturen für Unreinheit, Verderbtheit oder Krankheit. In der christlichen Ikonografie werden Fliegen auch als Begleiter von Dämonen oder als Zeichen des Verfalls dargestellt (looking at you, Regus Patoff). Fliegen können außerdem als störend empfunden werden und sind ein Symbol für Irritation und Ablenkung. Sie stehen aber auch für Vergänglichkeit, da sie nur eine kurze Lebensdauer haben. Fliegen gelten in einigen Kulturkreisen als Symbol für Transformation oder Verwandlung, da sie (oft auch auf Totes oder Verdorbenes) Eier legen, aus denen sich wieder neue Lebewesen entwickeln. Eine nicht ganz so gängige Interpretation, die aber auch in Sprüchen wie „fly on the wall“ steckt, sieht Fliegen als Symbol der Überwachung oder Spionage.

Mögliche Interpretation für die Serie: Da die Fliegen im Intro über einen Stapel Vertragsunterlagen des „Consultant“ krabbeln, könnte dies bereits ein Foreshadowing auf das Vorgehen und die wahren Intentionen von Regus Patoff sein – Verderbtheit, intrigantes Verhalten und Überwachung spielen eine ganz zentrale Rolle in der Serie.

Maden als Symbol für den Sittenverfall?

Maden werden in der Symbolik oft mit dem Verfall und dem Tod assoziiert. Da Maden häufig in Verbindung mit totem organischen Material wie Fleisch, Obst oder Gemüse gefunden werden, sind sie ein Symbol für den natürlichen Prozess des Verfalls und der Zersetzung von Leben. Dies kann auch mit dem Kreislauf des Lebens und des Todes in Verbindung gebracht werden. In einigen Kulturen wurden Maden auch als ein Symbol der Wiedergeburt und der Erneuerung betrachtet, da sie aus verrottendem Material entstehen und in der Lage sind, neues Leben zu schaffen.

Mögliche Interpretation für die Serie: In beiden Fällen könnten die Maden neben den Pillen für den Sitten- und Moralverfall in der Arbeitswelt und die Erneuerung, die Patoff nach dem Tod des CEO Sang Woo mit allen Mitteln in die Firma bringen will, stehen.

Die Schlange als Symbol für die Verführung der Tech-Branche?

Die Schlange wird in der christlichen Symbolik in erster Linie mit dem Bösen und der Sünde in Verbindung gebracht. In der Bibel (Buch Genesis) tritt die Schlange als Verführerin von Adam und Eva auf und verleitet sie dazu, die verbotene Frucht zu essen. Die Schlange gilt im Christentum oft als Symbol für den Teufel oder Satan. In der Offenbarung des Johannes wird Satan auch als „die alte Schlange“ bezeichnet. In einigen anderen Kulturen wird die Schlange aber auch positiver als Symbol der Weisheit und Erneuerung gesehen, da sie sich häuten und so in eine „neue Haut“ schlüpfen kann. Außerdem wird die Schlange aufgrund ihrer geschmeidigen Bewegungen und ihrer phallusähnlichen Form als Zeichen von Fruchtbarkeit und Sexualität interpretiert.

Mögliche Interpretation für die Serie: Das Nebeneinander von Schlange und Technik kann als moderne Form der Verführung betrachtet werden, denn die Spiele, die die Firma CompWare herstellt, machen süchtig und ziehen die Nutzer in ihren Bann. Je mehr Nutzer ein Spiel spielen und herunterladen, desto mächtiger wird das Tech-Unternehmen. Die Verführung kann aber auch auf der internen Ebene gesehen werden, da Patoff die Mitarbeiter gegeneinander ausspielt und die Unternehmenskultur im Verlauf der Serie immer egoistischer und aggressiver wird. Die Sexualsymbolik setzt sich auch in den einzelnen Folgen der Serie fort.

Ihr seht, allein das Intro steckt so voller Symbole, die schon recht offensichtlich eine gewisse Richtung für die Serie vorgeben. Ob und wie diese Symbole und ihre Deutungsmöglichkeiten in den einzelnen Folgen wiederkehren, schauen wir uns jetzt an.

Wer ist Regus Patoff?

Regus Patoff betritt das Spielfeld bzw. die Serienhandlung, als Sang Woo, der CEO der Spielefirma CompWare, gewaltsam stirbt. Er erscheint mitten in der Nacht als „der Berater“, der ab jetzt die geschäftlichen Dinge der Firma regeln und für Ordnung sorgen wird.

Was bedeutet der Name bzw. Reg. U.S. Pat. Off.?

Die beiden Mitarbeiter Elaine und Craig, denen wir im Verlauf der Serienhandlung dabei zusehen können, wie sie mit Regus Patoff und ihren eigenen „Dämonen“ (pun intended) zu kämpfen haben, sind ratlos und finden keinerlei Informationen zu Patoffs Identität. Wir als Zuschauer erfahren aber, dass Regus Patoff kein real existierender Mensch oder Name, sondern ein Fantasiebegriff ist, der sich aus der Abkürzung Reg. U.S. Pat. Off. auf einer Seifenkiste zusammensetzt. Die Abkürzung steht für „Registered in the United States Patent and Trademark Office“, also die amerikanische Güterpatentbehörde.

Ist Regus Patoff der Teufel?

Es drängt sich schnell die Frage auf, ob Regus Patoff nun wirklich der wahrhaftige Teufel ist. Das griechische Wort für Teufel (und Verleumder) lautet „diabolos“, was vom Verb diabállō (dt. „durcheinanderbringen“) kommt. Und das ist genau das, was Regus Patoff tut. Er stellt das gesamte Firmengefüge auf den Kopf und bringt die Mitarbeiter dazu, das Schlechteste aus sich herauszuholen.

Patoff nutzt die Sehnsüchte und Schwächen der Menschen aus und verführt sie mit Versprechungen von Erfolg und Macht im Tausch gegen unmoralisches Handeln. Außerdem erinnert der Name „The Consultant“ an die Rolle des Teufels in der traditionellen christlichen Theologie als Versucher und Verführer. Das Wort „Berater“ impliziert, dass die Entität Rat und Führung anbietet, was der Art und Weise ähnelt, in der der Teufel oft als gerissene und manipulative Figur auftritt, die die Menschen in die Irre führt. Die Musikauswahl mit „You’re the Devil in Disguise“ könnte außerdem einen weiteren Hinweis liefern.

Wir nehmen für die Interpretation der Symbole und Referenzen im weiteren Verlauf also an, dass Regus Patoff der Teufel (oder zumindest einer seiner dämonischen Diener) ist.

Wieso kann Regus Patoff / der Teufel keine Treppen steigen?

In mehreren Szenen und Rückblenden ist zu sehen, dass Patoff extreme Schwierigkeiten und fast ein wenig Angst vor der großen Treppe bei CompWare hat. In vielen Fällen benötigt er die Hilfe verschiedener Figuren, um die Treppe hinauf- oder hinabzusteigen, was zu absurd-kuriosen Sequenzen führt.

Die Treppe als Symbol

Sehen wir uns zunächst einmal die Treppe als Symbol (unabhängig vom Teufel) an: Die Treppe kann für Aufstieg und Fortschritt stehen (z.B. in Form einer Karriereleiter). Sie kann – wie schon die Schlange – Transformation und Veränderung bedeuten, da man sich durch das Auf- oder Absteigen in seinem Zustand verändert und eine neue Ebene betritt. Die Treppe kann aber auch (vor allem in der christlichen Symbolik) als Verbindung von Himmel und Erde, also als „Himmelseiter“ oder „stairway to heaven“, gesehen werden. In vielen Kulturen führen daher große Treppen zu heiligen Orten, Opferstätten oder Kirchen.

Basierend auf diesen Symbolbedeutungen gibt unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten für Patoffs Angst vor der Treppe. Viele mögen jetzt vielleicht vermuten, dass der Teufel auch in der Bibel ein Problem mit Treppen hat oder diese (wie ein Vampir die Türschwelle) nicht überwinden kann. Es gibt jedoch keine Geschichte oder Legende, die dies so darstellt. Das „Treppenproblem“ scheint also einen anderen Grund zu haben:

Der Klumpfuß oder Pferdefuß

Man sagt dem Teufel nach, er habe einen sogenannten Klump- oder Pferdefuß. Es handelt sich dabei um eine körperliche Deformation, bei der der Fuß des Teufels wie ein Huf oder ein Pferdefuß aussieht. Diese Darstellung stammt aus der christlichen Mythologie und ist seit dem Mittelalter weit verbreitet. Der Klump- oder Pferdefuß wird oft als Symbol für das Böse, die Sünde und die Verdammnis verwendet.

Mögliche Interpretation für die Serie: Es könnte also eine symbolische Behinderung sein, die Patoff davon abhält, die Treppe alleine zu benutzen.

Die Jakobsleiter / Himmelsleiter

Die Jakobsleiter ist ein biblisches Motiv aus dem Alten Testament (1. Buch Mose, Kapitel 28). Der Patriarch Jakob träumt von einer Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reicht, auf der Engel auf- und absteigen und so zu Gott gelangen. „Leiter“ ist aber nicht die einzige mögliche Übersetzung (auch wenn die Leiter das gängige Symbolbild ist), denn das hebräische Wort sullām kann auch mit „Treppe“, „Stiege“ oder „Rampe“ übersetzt werden. Im Johannesevangelium wird das Bild der Jakobsleiter auf Jesus Christus übertragen, da Jesus den Menschen den Weg zu Gott ebnet. Der gefallene Engel Luzifer kann die Himmelsleiter nicht mehr betreten, da er aus dem Himmel ausgeschlossen wurde. Die Geschichte von der Jakobsleiter hat im Laufe der Jahrhunderte viele Künstler und Schriftsteller inspiriert und ist ein beliebtes Motiv in der Kunstgeschichte und der Literatur. Also vielleicht auch in „The Consultant“?

Mögliche Interpretation für die Serie: Die Jakobsleiter ist, wie wir soeben gelernt haben, ein bedeutendes biblisches Symbol und wird oft als Metapher für den Aufstieg des Menschen zu Gott verwendet. Dies könnte der Grund sein, wieso die Mitarbeiter die Treppe problemlos auf dem Weg zu ihrem „Gott“ Sang Woo, dem CEO von CompWare (dazu gleich mehr), besteigen können, der Teufel Patoff dies aber nicht ohne Hilfe vermag.

Die Karriereleiter

Die Treppe als eine Art „Karriereleiter“ zu sehen, ist im Corporate-Umfeld der Serie naheliegend. Das CEO-Büro und die Einzelbüros der hierarchisch wichtigeren Mitarbeiter befinden sich oberhalb der Treppe. Im Verlauf der Serie werden Büroräume frei und Patoff fördert einen offenen Kampf unter den Mitarbeitern, wer ein Büro dort beziehen darf.

Mögliche Interpretation für die Serie: Der Grund wieso Patoff die „Karriereleiter“ bzw. Treppe nicht aus eigener Kraft besteigen kann, könnte symbolisch dafür stehen, dass er nur durch einen „Teufelspakt“ (auch dazu gleich mehr) und den Tod von Sang Woo in die Position des CEO gelangt, sich den Posten als ohne eigene Leistung erschlichen hat und sich auf andere stützen bzw. von deren Kraft zehren muss, um den Weg nach oben zu gehen.

Zu viel Gewicht

Die vierte, letzte und simpelste Erklärung für Patoffs Unfähigkeit zum Treppensteigen könnte von seinem enorm hohen Gewicht herrühren. Wie sich am Ende der Serie herausstellt, besteht sein Skelett komplett aus Gold, sodass er unnatürlich schwer (und nicht menschlich) in seiner Gestalt ist.

Die nackte Statue von Sang Woo – ein Götzenbild?

Nach dem Tod von Sang Woo und der Übernahme des CEO-Postens durch Regus Patoff ändert sich vieles für die Mitarbeiter bei CompWare. Auch wenn es zu Beginn eigentlich keinen wirklichen Personenkult um den Verstorbenen gibt, stellt Patoff in einer nächtlichen Aktion eine lebensgroße und nackte Statue von Sang Woo am oberen Treppenabsatz der Firma auf, sodass alle Mitarbeiter den toten Gründer der Firma jederzeit sehen können.

Bleibt man in der christlich-biblischen Symbolik, ist dies nicht nur eine indirekte Verhöhnung von Sang Woo, sondern auch ein Götzenbildnis, dass vom Teufel Patoff errichtet wurde. Hier hätten wir also wieder das Symbol CEO = falscher Gott.

Ein Götzenbild ist aus biblischer Sicht eine Statue, ein Bild oder eine Darstellung eines Gottes oder eines Göttlichen, die von Menschen gemacht wurde und als Objekt der Anbetung und Verehrung dient. In der Bibel wird die Herstellung und Verehrung von Götzenbildern als Götzendienst bezeichnet, was in der jüdisch-christlichen Tradition als eine schwere Sünde gilt:

Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Bibel, 2. Buch Mose

Auch in der hebräischen Bibel steht:

Du sollst dir kein Kultbild machen und keine Gestalt von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.

Tanach, Ex 20

Götzenbilder können dazu führen, dass Menschen ihr Vertrauen in materielle Dinge und falsche Götter setzen und somit von Gott abfallen. Auch dies kann als ein Symbol für den Werteverfall und die Konsumgesellschaft, deren Teil die Firma CompWare ist, verstanden werden. Der Personenkult, der auch im realen Leben um Stars der Tech-Branche gemacht wird, findet hier Kritik.

Die offensive Nacktheit der Statue ist (trotz der Ähnlichkeit zu den Skulpturen der Alten Meister) aus christlicher Sicht ebenfalls ein Problem. In der Bibel ist die Nacktheit nämlich nicht das Sinnbild des Unschuldszustandes, sondern der Erbsünde, der forterbenden Schuld der ersten Menschen im Paradies – womit wir auch wieder bei der Schlange und der Verführung wären.

Ist die Unterschrift des Berater-Vertrags ein Pakt mit dem Teufel?

In einigen Rückblenden sieht man, wie der junge Sang Woo höchstselbst nur 2 Wochen vor seinem Tod einen Vertrag mit Regus Patoff unterschreibt. Sang Woos Mutter sagt bei einer kurzen Ansprache nach dessen Tod außerdem auf Koreanisch „Der Teufel hat ihn geholt“, was Patoff aber für die anwesenden Mitarbeiter nicht übersetzt.

Ein Teufelspakt, auch bekannt als „Pakt mit dem Teufel“, ist ein mythologisches Konzept, das in der christlichen Tradition und insbesondere in der Bibel vorkommt. Es bezieht sich auf einen Handel oder Vertrag zwischen einer Person (in diesem Fall Sang Woo) und dem Teufel (Regus Patoff), bei dem die Person etwas Wertvolles, wie Reichtum, Macht oder Wissen, im Austausch für ihre Seele erhält.

Sang Woo möchte sein Vermächtnis in Form seines Gaming-Imperiums CompWare am Leben erhalten und schließt deshalb den Vertrag mit Patoff, der laut eigenen Aussagen das Überleben und den Erfolg der Firma garantieren kann. Wir können also davon ausgehen, dass es sich beim Unterschreiben des Vertrags um einen Teufelspakt zwischen Sang Woo und Regus Patoff handelt, womit allerdings auch der Tod des ersteren besiegelt wird.

Das goldene Skelett von Regus Patoff

Beim Thema „Treppe“ wurde das schwere Goldskelett von Regus Patoff schon kurz erwähnt. Die Enthüllung des Skeletts erfolgt erst in der letzten Folge der Serie, nachdem Spieleentwickler Craig den Berater Patoff für kurze Zeit außer Gefecht setzen kann und ihm einen Zeh abschneidet. Es stellt sich heraus, dass der Körper von Patoff ein Skelett aus massivem Gold hat, weswegen er unnatürlich schwer ist. Das Skelett wurde in Einzelteilen von einem Goldschmied angefertigt, der die Teile jeweils im Auftrag unterschiedlicher Ärzte eines nahegelegenen Krankenhauses herstellte.

Auf die Frage hin, wieso Regus Patoff in der Serie ein Skelett aus Gold hat, antwortete der Serienmacher Tony Basgallop folgendes:

„That’s not in the book, but I added it to give you that sense that he is more valuable than you, literally,“ says Basgallop. „When I pitched it, people thought I was crazy.“

Interview mit USA today

In der Bibel gibt es mehrere Stellen, die eine Verbindung zwischen Gold und Götzendienst herstellen. Im 2. Buch Mose zum Beispiel berichtet die Bibel, dass das Volk Israel in Abwesenheit ihres Anführers Mose ein goldenes Kalb anfertigte und es als Götzen anbetete:

Da riss alles Volk sich die goldenen Ohrringe von den Ohren und brachte sie zu Aaron. Und er nahm sie von ihren Händen und formte das Gold und machte ein gegossenes Kalb.

Bibel, 2. Mose 32,1-4

Das Kalb wurde aus dem Goldschmuck hergestellt, den die Israeliten aus Ägypten mitgebracht hatten. Auch die Goldknochen von Regus Patoff wurden aus eingeschmolzenem Goldschmuck hergestellt. Die Ärzte, die im Namen von Patoff den Auftrag gaben, das goldenen Skelett herzustellen, könnten sinnbildlich für die Israeliten stehen.

Das Symbol des goldenen Skeletts taucht ganz am Ende auch noch im Handygame „Jungle Odyssey“ auf. Was es damit auf sich haben könnte, schauen wir uns im Abschnitt über das Spiel an.

Welches Bild betrachtet Craig in der Kirche?

In Folge 4 befindet sich Spieleentwickler Craig in einer Kirche. Bei Minute 26:21 ist ein Holzstich zu sehen, auf dem ein Mann seinen eigenen abgetrennten Kopf präsentiert. Wer nun denkt, dass dieses Bild extra für die Serie geschaffen wurde, liegt falsch. Denn es handelt sich dabei um ein Bild einer ganzen Reihe von Holzstichen, die von dem französischen Künstler Gustave Doré 1861 als Illustration zu Dante Alighieris „Die Göttliche Komödie“ angefertigt wurden. Es gibt sogar eine ganze Sammlung aller 135 Stiche als Buch.

Bei dem in der Serie gezeigten Bild handelt es sich um „Die Göttliche Komödie (La Divina Commedia), Inferno, Canto 28: Der abgeschlagene Kopf von Bertrand de Born spricht zu Dante“. Bertrand mit dem abgeschlagenen Kopf befindet sich im achten Kreis der Hölle:

Ich sah – noch ist dies Schreckbild mein Begleiter –
Ein Rumpf ging ohne Haupt mit jener Schar
Von Unglücksel’gen in der Tiefe weiter.

Er hielt das abgeschnittne Haupt beim Haar
Und ließ es von der Hand als Leuchte hangen
Und seufzte tief, wie er uns nahe war.

Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie, Inf. XXVIII, V. 118–123

Bertrand de Born wurde also (literarisch) von Dante in die Hölle verbannt. Für Craig könnte dies als Warnung gedacht sein, was mit ihm geschieht, wenn er sich zwischen Regus Patoff und dessen Pläne stellt.

Warum müssen alle Mitarbeiter Barfuß laufen?

Im späteren Verlauf der Serie nötigt der „Consultant“ alle Mitarbeiter von CompWare dazu, auf der Arbeit nur noch Barfuß zu laufen. Und auch wenn das Ausziehen von Schuhen in Wohn- und Kultstätten in vielen Kulturen als respektvoll gilt, ist das Barfußlaufen in der christlichen Mythologie zunächst einmal ein Symbol der Demütigung und Erniedrigung: Arme, Trauernde und auch die Sklaven mussten Barfuß laufen und unterschieden sich so von ihren Herren. Der Zwang, auf der Arbeit keine Schuhe zu tragen, kann also einerseits eine Anspielung auf die unnötige und heuchlerische „Lockerheit“ vieler Start-ups im Silicon Valley sein, aber andererseits auch als Symbol der Machtausübung und des Machtmissbrauchs von Patoff gegenüber den Mitarbeitern gesehen werden.

Was ist Upskirt Jungle / Jungle Odyssey Level 316?

Ein Handlungsstrang von „The Consultant“ ist die Entwicklung des Handyspiels „Jungle Odyssey“. Zunächst ist es nur eine fixe Idee des Spieleentwicklers Craig, der zusammen mit Kreativkoordinatorin Elaine das Spiel nutzt, um Patoff zu überwachen. Zu diesem Zeitpunkt heißt es noch „Upskirt Jungle“, was eine Anspielung auf die Glasebene im Büro ist, durch die man den Menschen auf oberen Ebene „unter den Rock“ schauen kann. Im weiteren Verlauf entwickelt sich das Spiel zu einer Möglichkeit, der Firma CompWare zu einem neuen großen Gewinn zu verhelfen, weshalb es auch von Regus Patoff gepusht wird. Am Ende wird das Spiel als „Sang Woo’s Jungle Odyssey“ veröffentlicht. Im letzten Level (Nr. 316) gibt es allerdings zunächst einen Bug, der die Spieler nicht gewinnen lässt. Der Bug wird schließlich behoben und das Spiel von einem Jungen (der übrigens auch der Mörder von Sang Woo ist) im Staffelfinale beendet. Es erscheint ein goldenes Ei, das sich öffnet und ein goldenes Skelett enthüllt. Trotz des Sieges erscheint erneut der Schriftzug „Game over“…

Neben der offensichtlichen Interpretation, dass das Ende von „Jungle Odyssey“ wie das Ende der Serie selbst ist – nämlich unbefriedigend und trotz aller Anstrengungen eine Niederlage – gibt es noch ein im wahrsten Sinne des Wortes letztes „Easter Egg“. Das Ei steht (z.B. auch im Rahmen von Ostern) für die Wiedergeburt. Und von eben jener Erlösung und Wiedergeburt berichtet der bekannte Bibelvers Johannes 3,16. Macht es Klick? Jungle Odyssey (kurz JO) 316 kann auch für JO 3,16 also Johannesevangelium 3, Vers 16 stehen:

Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

Lutherbibel, Johannes 3,16

Das Level 316 wie auch die Serie versprechen zunächst die Erlösung, den Sieg des Guten über das Böse. Doch Regus Patoff hinterlässt die Firma CompWare in einem schlimmeren Zustand als je zuvor: nur die skrupellosesten Mitarbeiter sind übrig geblieben, der Teufel siegt und zieht weiter zu seinem nächsten Opfer, dem nächsten Teufelspakt. Und so unbefriedigend endet auch das Spiel Jungle Odyssey: trotz des Sieges und 316 mühsam durchkämpfter Level entpuppt sich der Inhalt des goldenen Eis als Skelett, als Teufel „in disguise“. Game Over. Alles auf Anfang!

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Quellen, Verweise & Literatur:

Interview bei USA today: https://eu.usatoday.com/story/entertainment/tv/2023/02/26/golden-skeletons-and-other-consultant-oddities-explained/11316450002/

Wolfgang Menzel (1854): Christliche Symbolik.

Bentley Little (2019): Der Berater. Buchheim Verlag

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