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All Hallow’s Read | H.P. Lovecraft – The Master of Horror und sein Lebenswerk

Der Meister des übernatürlichen Schreckens, Erschaffer von grotesken Welten und Wesen – Howard Phillips Lovecraft, kurz H.P. Lovecraft (1890-1937), war ein amerikanischer Schriftsteller, der vielen wohl als der Begründer der modernen, übernatürlichen Horrorliteratur bekannt sein dürfte. Was Tolkien für die Phantastik ist, ist Lovecraft für das Horrorgenre. Viele seiner Motive, Figuren und Orte finden sich in der heutigen Popkultur wieder: egal ob Supernatural, die Alien-Filme oder DC-Comics – der geistige Vater aller übernatürlicher Schreckensmotive ist H.P. Lovecraft. Da liegt es natürlich nahe, zum jährlichen All Hallow’s Read auf die Erzählungen und Geschichten des Schauerschriftstellers zurückzugreifen. Doch welche Werke eignen sich für Einsteiger in die klassische (übernatürliche) Horrorliteratur? Was gibt es für Kenner des Werks noch Neues zu entdecken? Und wo kommen die Freunde des fantastischen Hörgenusses aus der Lovecraftschen Groteskenschmiede auf ihre Kosten?

Einzelwerke und Kurzgeschichten

Lovecraft hat in seinem doch recht kurzen Leben eine Vielzahl an Geschichten, Essays und Erzählungen verfasst. Da jede Geschichte in sich abgeschlossen ist, ist eine chronologische Lektüre nicht notwendig. Die Erzählungen nehmen zumeist zwar Bezug aufeinander, Einsteiger sollten sich aber aufgrund der Fülle an Wesen, Welten und Mythen erst einmal vorsichtig an das Gesamtwerk herantasten. Die Werke von Lovecraft lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: Schauer-, Traumwelt- und Mythosgeschichten.

Klassische Schauermärchen à la Lovecraft

Die traditionellen Schauergeschichten, die vor allem durch das Werk von Edgar Allan Poe inspiriert sind, zählen zu den harmlosesten und einsteigerfreundlichsten Werken Lovecrafts. In den meisten dieser frühen Erzählungen spielen Friedhöfe, verlassene Häuser und andere albtraumhafte Schauerszenarien eine große Rolle. Für Lovecraft-Neulinge ist gerade das gut geeignet, da die Geschichten zum einen kurz und zum anderen noch recht „normal“ sind. Besonders empfehlenswert ist die Kurzgeschichte „Dagon“, in der ein ehemaliger Offizier kurz vor seinem Selbstmord berichtet, welches Grauen ihm seine geistige Gesundheit nahm und ihn in den Suizid treibt. Doch aufgepasst: selbst die harmlosen Geschichten enthalten bei Lovecraft eine gehörige Portion Horror!

Ein aufgeschlagenes Buch von H.P. Lovecraft auf einem Tisch. Foto: geek's Antiques/Lilli

Von Dryaden und anderen Wesen

Die sogenannten Traumweltgeschichten aus der Feder Lovecrafts sind eher unbekanntere mythische und mystische Kurzgeschichten, die fast noch der Fantasy zugerechnet werden können, da vor allem fiktive Schauplätze, Götter und fantastische Wesen wie Ghoule oder Dryaden eine Rolle spielen. In den Mythosgeschichten fand Lovecraft dann aber seine „Bestimmung“: sie sind die bekanntesten Werke und zugleich der Grund für seinen Kultstatus. Die Kurzgeschichten und Erzählungen befassen sich (lose zusammenhängend) mit dem „uralten Bösen“ und einer allumfassenden Mystik, die die Geschicke der Welt beeinflusst. Den meisten dürfte hier wohl der Cthulhu-Zyklus ein Begriff sein.

Für Einsteiger in die Welt von Lovecraft sind die Mythosgeschichten – im Gegensatz zu den seichteren Schauer- und Traumweltgeschichten – jedoch (zumindest anfangs) nicht unbedingt geeignet, da sie sehr speziell sind. Wer den Stil von Lovecraft schon ein wenig kennenlernen konnte, kann mit „Berge des Wahnsinns“ einen leichten Einstieg in die mythischen Geschichten wagen. Die Novelle handelt von einer Antarktis-Expedition, bei der die beteiligten Wissenschaftler auf seltsame Fossilien stoßen, die keinen natürlichen bzw. weltlichen Ursprung zu haben scheinen…

Alles zu seiner Zeit

Die Geschichten wurden zu Lovecrafts Lebzeiten in Zeitschriften und Magazinen, nicht jedoch als Bücher publiziert, zu seinem wirklichen Ruhm kamen er und sein Werk erst nach seinem Tod. Lovecraft selbst ärgerte sich vor allem darüber, dass aufgrund des begrenzten Platzes in den Magazinen oftmals extreme Kürzungen an seinen Erzählungen vorgenommen wurden und die Geschichten sich dementsprechend nicht so entfalten konnten, wie es seinerseits vorgesehen war. Die heutigen Publikationen enthalten allerdings in der Regel wieder den vollständigen von Lovecraft verfassten Text.

Ein Buch von H.P. Lovecraft, Schreibwerkzeug und ein Tintenfass auf einem Tisch. Foto: geek's Antiques/Lilli

The New Annotated Lovecraft

Wer bereits erste Erfahrungen mit Lovecraft hat oder von Anfang an All-in gehen möchte, dem sei die neue kommentierte Ausgabe von Leslie S. Klinger ans Herz gelegt. Enthalten ist hier zwar nicht das Gesamtwerk, sondern „nur“ eine kommentierte Sammlung der besten und beliebtesten Erzählungen – bei fast 1000 großformatigen Seiten ist das aber zu verschmerzen. Die Kommentierung befasst sich dabei mit allen möglichen Aspekten des Lebens und Schaffens von H.P. Lovecraft: es werden Einblicke in erste Manuskriptseiten (z.B. zu „An den Bergen des Wahnsinns“) gewährt oder reale Schauplätze gezeigt, die als Inspiration für Lovecrafts Welt dienten. Auf den ersten 800 Seiten werden so die einzelnen Erzählungen mit vielen Hintergrundinformationen unterfüttert. Am Ende (bzw. auf den letzten knapp 150 Seiten) gibt es umfangreiche Zeittafeln, Informationen zu den unterschiedlichen Ausgaben und Übersetzungen und – besonders interessant – einen Teil über die Rezeption von H.P. Lovecraft in der modernen Popkultur!

Für alle Bibliophilen und Lovecraft-Liebhaber ist diese Ausgabe ein Muss. Einziger Schwachpunkt ist, wie man sich bei fast 1000 großformatigen Seiten sicher denken kann, das Gewicht. Für eine gemütliche Lektüre unterwegs eignet sich die kommentierte Ausgabe daher weniger, wer aber nicht nur literarisch, sondern auch mit vielen Zusatzinformationen in die fiktiven Welten von Cthulhu & Co. eintauchen möchte, ist mit diesem Riesenschmöker bestens bedient.

Ein Buch von H.P. Lovecraft und eine Schreibfeder auf einem Tisch. Foto: geek's Antiques/Lilli

Grauenvolles für die Ohren

Insbesondere Schauergeschichten können als Hörbuch gleich ein ganz anderes Level erreichen. Werden sie gut gelesen und intoniert, sind Hörbücher im Horrorgenre oft besser als das geschriebene (und still gelesene) Original, da sie den Schauer auf eine direkte Weise transportieren. Für einige Geschichten Lovecrafts trifft das voll und ganz zu: die Reihe „Bibliothek des Schreckens“ stellt ausgewählte Werke in thematischen Sammelbänden als Hörbücher vor. Eingesprochen wurden die Horrorstories dabei von David Nathan, Lutz Riedel oder Joachim Kerzel. Vor allem „Berge des Wahnsinns“ gelesen von David Nathan ist ein Meisterstück. In knapp 6 Stunden entführt die Sprecherstimme den Leser mit schauriger Musik in die Antarktis und sorgt für dauerhaften Nervenkitzel!

Ohne Lovecraft kein Supernatural Horror

Auch wenn Lovecraft in der heutigen Zeit aufgrund einiger Äußerungen und Ansichten – die man meiner Meinung nach aber auch immer unter der Berücksichtigung des damaligen Zeitgeistes beurteilen sollte – massiv in der Kritik  steht, sind seine Geschichten (egal ob als Einzelwerk, kommentierte Sammlerausgabe oder als Hörbuch) nach wie vor wegweisend für die Entwicklung der übernatürlichen Horrorliteratur und jeder sollte zumindest einmal einen Blick in das Werk geworfen haben. Wer dabei genau hinschaut, wird nach der Lektüre seiner Texte in fast jedem Film, jedem Buch und jedem Comic Anlehnungen an die von Lovecraft geschaffenen Welten finden. Wie sagt man so schön: Ohne Tolkien keine Fantasy – und ohne Lovecraft kein Supernatural Horror!

Eine geschminkte Person mit Halloween-Make-up. Foto: geek's Antiques/Lilli

Das Gewinnspiel

Wie bereits in einem vorherigen Beitrag angekündigt, handelt es sich bei diesem Artikel um den Teil einer Blogtour zur deutschen Ausgabe des „All Hallow’s Read“. Worum es sich dabei handelt und wie die Aktion funktioniert wird im Ankündigungsbreitrag und im FAQ genauer erklärt. Um an dem angeschlossenen Gewinnspiel teilzunehmen, müsst ihr alle Blogbeiträge der Teilnehmer lesen, die versteckten Buchstaben finden und sie zu einem zweiteiligen Lösungswort zusammensetzen. Dieses sendet ihr bitte bis zum 30.10. per Mail (unter Nennung eurer Anschrift) an tanja@tanja-karmann.de. Zu gewinnen gibt es 5 Buchpakete mit einem Gesamtwert von über 300 Euro! Viel Glück! Alle Informationen zum Gewinnspiel findet ihr bei Tanja Karmann: All Hallow‘s Read 2019 – die Gewinne.

Wie geht es weiter?

Die Blogtour machte gestern (23.10.) bei Deborah Halt und morgen (25.10.) geht es bei Christian Handel weiter! Schaut gerne auch die anderen Beiträge an, denn dort finden sich nicht nur die Lösungsbuchstaben, sondern auch viele fantastische, schaurige und lustige Buchtipps zu Halloween. Die Teilnehmer sind hier aufgelistet: All Hallows Read 2019 – die Teilnehmer

Ein Buch von H.P. Lovecraft und eine Schreibfeder auf einem Tisch. Foto: geek's Antiques/Lilli

Weiterführende Informationen:
Den Ankündigungsbeitrag zu #AllHallowsReadGermany findet ihr hier: Ankündigung
Falls noch Fragen offen sind, könnt ihr dies im FAQ hier nachlesen: FAQ

Literaturverweise:
Klinger, Leslie S. (2017): H. P. Lovecraft. Das Werk: Große kommentierte Ausgabe. Fischer Tor
Klinger, Leslie S. (2014): The New Annotated H. P. Lovecraft. Norton & Company

Buchdaten:
Einband: Hardcover
Seitenzahl: 912
Erscheinungsdatum: September 2017
Sprache: Deutsch
Verlag: FISCHER Tor
ISBN: 978-3-59603-708-7
Preis: 78,00 Euro

Kleiner Tipp: die deutsche Ausgabe ist mit 78,00 Euro sehr teuer. Wer auch auf Englisch lesen kann und möchte, sollte einmal einen Blick auf die englischsprachige Originalausgabe werfen, denn diese kostet (ebenfalls als Hardcover) nur 25,99 Euro.

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