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Bücher | Bücherjahr 2018 – Die fünf größten Enttäuschungen

Trotz vieler positiver Überraschung – vor allem aus dem Bereich der Selfpublisher und Kleinverlage – gab es auch einige Bücher, die mich arg enttäuscht haben, so gar nicht fesseln konnten oder einfach überhaupt nicht meinem Geschmack entsprachen. Die fünf größten Enttäuschungen 2018 waren diese Titel:

Die Glasbücher der Traumfresser von Gordon Dahlquist
erschienen bei Blanvalet

Diese 10-teilige Buchreihe ist die literarische Inkarnation des Spruches „außen hui, innen pfui“. Die wirklich elegante petrolblaue Aufmachung des Schmuckschubers sowie der zehn Einzelbände im viktorianischen Look konnten leider nicht darüber hinwegtrösten, dass der Inhalt alles andere als stilvoll ist. Rein auf das erste Heft bezogen, würde ich mich noch dazu bringen lassen, die Story um Miss Temple und ihren Verlobten vielleicht als „romantische Gothic Novel mit Actionelementen“ zu bezeichnen. Aber spätestens ab dem zweiten „Heftchen“ wird es im Wechsel übertrieben erotisch, dann monoton, plötzlich sadomasochistisch und wieder gähnend langweilig – bis heute kann ich auch nicht wirklich sagen, worum es eigentlich in den Büchern thematisch geht. Dem netten Schreibstil ist zwar deutlich anzumerken, dass Dahlquist Bühnenautor ist und vor allem Theaterstücke verfasst, inhaltlich konnte dennoch nur das erste der zehn Heftchen halbwegs überzeugen und der Look der Schmuckausgabe hat nun wirklich gar nichts mit dem Inhalt gemein.

Reckless – Das goldene Garn von Cornelia Funke
erschienen bei Dressler

Als großer Funke-Fan bin ich über diesen Flop besonders traurig, denn ich hatte mir gewünscht, dass mich die Reckless-Reihe genauso packen kann, wie es vor Jahren die Tintenwelt getan hat. Schon „Steinernes Fleisch“ und „Lebendige Schatten“ haben mir nicht besonders gut gefallen, bei „Das goldene Garn“ war es leider auch nicht anders. Die dritte Geschichte aus dem Leben von Jacob, Will und Fuchs in der Spiegelwelt war für mich durchweg langweilig, farblos und ab einem gewissen Punkt hat es nicht mehr zum Weiterlesen gereicht. Woran genau es lag, kann ich allerdings nicht wirklich beziffern. Aber auch wenn „Reckless – Das goldene Garn“ momentan auf der Flop-Liste steht, werde ich den Büchern in ein paar Jahren noch einmal eine Chance geben und auf einen besseren Eindruck hoffen. Vielleicht trifft mich die Geschichte dann auf dem richtigen Nerv…

Der Sturm von Tom Jacuba
[Rezensionsexemplar] erschienen bei Bastei Lübbe

„Der Sturm“ versteht sich als lose Nacherzählung des Shakespeare Originals „The Tempest“ (dt. Der Sturm). Das Buch an sich ist in vier weitere „Bücher“ unterteilt, die jeweils (mit mehreren Zeitsprüngen, Rückblenden und Perspektivwechseln) einen Lebensabschnitt des Protagonisten Prospero thematisieren. Der Einstieg in die Geschichte fiel mir einerseits aufgrund der schieren Fülle von Personen, andererseits aufgrund der Flut an Eindrücken und Informationen recht schwer. Ab der Hälfte des zweiten Buches habe ich den „Sturm“ in einem Zug gelesen, da ich ansonsten vermutlich nicht im Lesefluss hätte bleiben können. Tom Jacuba schafft es hier in meinen Augen leider nicht, den Leser am Ball zu halten. Die 512 Seiten haben sich für mein Empfinden sehr gezogen und wurden mit vielen Worten aufgebauscht, obwohl die ausschweifende Erzählweise an vielen Stellen weder inhaltlich noch stilistisch vonnöten gewesen wäre. Für mich ist „Der Sturm“ in dieser Form eher mit einem historischen Roman zu vergleichen, der sehr wenige Fantasy-Elemente enthält und zu viel Wert auf Details legt.

Max Smart und die intergalaktische Müllabfuhr von Cas Lester
erschienen bei cbt

Über dieses Buch werde ich nicht viele Worte verlieren. Nur so viel: wie ist es möglich, in einem Kinderbuch (!), die Begriffe „Pisse“, „Kotze“, „zerfetzen“, „stinkend“, „Gedärme“ etc. und diverse Kombinationen dieser Wörter (bspw. „stinkende Kotze!“ als regelmäßig gebrauchter Ausruf der Kinder im Buch) in einem so übertrieben hohen Maß zu verwenden, dass man selbst als erwachsener Leser schon das Grauen bekommt? Für die eigentliche Zielgruppe ist das Buch in meinen Augen auf keinen Fall geeignet.

Weihnachten auf der Lindwurmfeste von Walter Moers
erschienen bei Penguin

Last, but not least (aber fast), das Weihnachtsbuch von Walter Moers. Ich frage mich: was genau wollte Herr Moers uns mit diesem Buch sagen? Ich liebe die Zamonien-Romane und bin großer Walter Moers-Fan, aber was bitte sollte das sein? Die Geschichte bzw. der „Briefroman“ vom Lindwurm-Weihnachtsfest Hamoulimepp ist gewohnt lustig, voller Wortspielereien und Anspielungen. Im Kern allerdings noch nicht einmal 70 Seiten lang. Darauf folgen viel zu viele absolut überflüssige „Taxonomietafeln“, die meiner Meinung nach auch das Gelesene nicht wirklich unterstützen. Am Ende schließt das Büchlein mit einer seitenlangen Leseprobe zum neuen Roman „Der Bücherdrache“, die mit Abstand das beste am ganzen Buch war. Wenigstens etwas, worauf man sich aus der moers’schen Wortschmiede in diesem Jahr freuen kann.

Was waren eure Flops 2018?

© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
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