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Gedankenspiele | Die Not-To-Do-Liste – 10 Dinge, die ich lieber lasse (Teil 2)

Es gibt Vieles, was man tun möchte, sich auf To-Do-Listen schreibt und dann nach und nach mit einem befriedigenden Häkchen abarbeitet. Dabei kann es genauso schön – und noch dazu befreiend – sein, sich eine Not-To-Do-Liste anzulegen und sich von Dingen zu verabschieden, die man einfach NICHT (mehr) tun möchte. Im ersten Teil (hier klicken!) habe ich mich schon von negativen Stimmen, dem richtigen Moment, kleinen Zielen, unbezahlter Arbeit und Content-Ratschlägen verabschiedet. Heute geht es mit Trends, Büchern, Druck, Rezensionsexemplaren und Social Media weiter!

Eine Spiegelreflexkamera auf einem Stativ. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #6 – Trends beachten

Die Sache mit den Trends – einerseits sind Trends eine nette und interessante Sache, die man in jedem Fall im Auge behalten sollte. Nur ob man die Trends dann auch beachten, sich ihnen beugen und in der Hoffnung auf Erfolg auf der Welle mitschwimmen sollte, ist eine andere Sache. Kleinere Trends oder virale Aktionen auf Social Media können lustig sein und eine Online-Community zusammenschweißen. An dieser Stelle sehe ich auch kein Problem, einfach aufzuspringen und mitzumachen, denn im Grunde ist es ein kurzlebiges Vergnügen.

Muss ich jetzt Videos produzieren?

Anders sieht es da schon mit den „großen“ Trends aus – wie beispielsweise dem weit verbreiteten Gedanken, man müsse für den „großen“ Erfolg jetzt einfach nur noch Videos produzieren und Textblogs seien 2020 nun definitiv out. Es mag sein, dass Videocontent momentan die erfolgreichste Art ist, etwas zu vermarkten und dass Algorithmen kurze Videos gegenüber Fotos mit langem Text auf den sozialen Netzwerken bevorzugen, weil die Nutzer auf diesen Beiträgen einfach länger verweilen. Dennoch sind Videos nicht für jeden Inhalt das richtige Format und nicht jeder hat Lust, den Mut oder die Ausrüstung, um ein Video aufzunehmen, zu schneiden und hochzuladen. Wer sich hinter der Fotokamera und an der Tastatur wohler fühlt, soll das doch bitte tun dürfen – auch wenn es nicht „dem Trend“ entspricht.

To text or not to text?

Auch im Jahr 2020 finden noch genügend Leser ihren Weg auf Blogs mit viel Text. Sei es über Suchmaschinenanfragen, Pinterest oder einen anderen Social Media Auftritt. Und genauso, wie heute (trotz TV, Konsolen, Smartphone & Co.) immer noch Bücher gelesen werden, werden auch die Blogs nicht so einfach aussterben. Wer also einen Blog gründen möchte, sollte sich davon durch „Trends“ nicht abhalten lassen. Und bei der Themenauswahl ist eine Trendrecherche vorab vielleicht eine gute Sache, weil sie einem zeigt, was momentan gerne gelesen wird. Für den dauerhaften Erfolg – und viel wichtiger: den Spaß an der Sache – zählt kein Trend, keine fremde Meinung, sondern nur das, was man selbst mag und worüber man genau aus diesem Grund besser berichten kann, als jeder andere! 

Ein Stapel mit Büchern vor einem Naturhintergrund. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #7 – 70 Bücher in einem Jahr lesen

Punkt Nummer 7 auf der Not-To-Do-Liste bestätigt im Grunde schon die Annahme aus Punkt 6: es wird immer noch gelesen. Aber will ich wieder 70 Bücher in einem Jahr lesen? In manchen Kreisen liest man so viel, dass es einem schwindelig werden könnte ob der hohen Stapel an Bücher, die in einem Jahr von einer einzigen Person verschlungen werden. Bei mir schwankt die Zahl der gelesenen Bücher sehr stark: mal sind es 70, mal 50, manchmal „nur“ 20 und in einem Jahr waren es nicht einmal 2 Bücher. Dabei ist es gar kein Wettbewerb, wer am meisten und am schnellsten liest. Lesen ist (im Gegensatz zu Filmen, Serien und Spielen) in den meisten Situationen eine sehr private Sache, die man alleine und nur für sich tut. Bei einem Film sehen alle anderen auch, was man selbst sieht, man kann einen Film gemeinsam schauen und alle sehen ihn im selben Tempo. Bei einem Buch ist das anders. Lesen ist etwas, das man (mit Ausnahme von Buchclubs oder Reading-Buddies) schlecht „gemeinsam“ tun kann, in den wenigsten Fällen schauen zwei Personen in dasselbe Buch und blättern zusammen um. 

Highlights, Tops und Flops

Wenn ich also für 10 Seiten bei einem Buch 5 Minuten brauche und bei einem anderen Buch 20 Minuten, dann ist das meine persönliche Geschwindigkeit und diese hat nichts mit anderen Lesern zu tun. Bei Filmen und Serien steht die Zeit (mal abgesehen von Pinkelpausen oder dem erneuten Ansehen einer Szene) von vorneherein für alle fest. Aber was sagt die Zahl der gelesenen – sprich beendeten – Bücher über eine Person aus? Im Grunde nichts. Sie sagt noch nicht einmal etwas darüber aus, wie viele gute Bücher eine Person gelesen hat. Bei 70 Büchern könnten alle Bücher Highlights gewesen sein oder (was viel wahrscheinlicher ist) ein paar wenige Highlights, viel Durchschnitt und einige Flops. Garantiert die Anzahl von 70 gelesenen Bücher, dass man sich mit jedem Buch ausreichend befassen konnte? Nein. Macht die Zahl aus mir einen besseren Leser, Mensch oder (Buch-)Blogger, weil ich mehr habe, worüber ich schreiben kann? Definitiv nein. 

Mir persönlich ist beim Lesen wichtig, dass ich Spaß habe, etwas dazulerne und eine gute Geschichte bekomme. Das schaffen 7 Bücher im Jahr genauso gut wie 70 Bücher. Was mir NACH dem Lesen aber noch viel wichtiger ist, als der Spaß an der Story, ist das Nachdenken, das Gelesene zu verarbeiten und vielleicht auch darüber zu schreiben. Wenn es also per Zufall 70 Bücher werden: schön. Wenn nicht: auch schön!

Buchclub-Button vor einem Stapel Bücher. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #8 – Alles lesen, nichts abbrechen

Im Grunde geht Punkt 7 fast nahtlos in Punkt 8 über, denn (zwanghaft) viel lesen bedeutet auch, dass man sich das Abbrechen von Büchern eigentlich nicht leisten kann und „da einfach durch muss“. Wenn ich mir (zu) viele Bücher für ein Jahr vornehme, merke ich, wie ich mit der Zeit wahllos Bücher anfange, sie einfach lese, um sie gelesen zu haben und kaum noch mit Vorfreude an ein Werk herangehe (dazu auch gleich mehr unter dem Punkt „Rezensionsexemplare“). An viele Geschichten, die nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes waren, kann ich mich nach einem Jahr meistens schon nicht mehr richtig erinnern. Ich zwinge mich dazu, nichts abzubrechen, weil das bedeuten würde, dass z.B. 100 gelesene Seiten „umsonst“ waren. Aber stimmt das? 

Nach 100 Seiten abbrechen?

Eigentlich ist dieser Gedankengang grundlegend falsch. 100 Seiten eines Buches gelesen zu haben und dann zu entscheiden, es abzubrechen, ist immer noch sinnvoller und am Ende vielleicht sogar zeitsparender, als sich durch eine schlechte bis mittelmäßige Geschichte zu kämpfen, die einfach nicht zu mir passt. Deswegen entscheide ich mich immer häufiger – auch bei Bestsellern und absoluten Hype-Büchern – abzubrechen, wenn es mir nach 50 bis 150 Seiten nicht gefällt. Das Buch kann ich dann zwar nicht als „gelesen“ verbuchen, aber ich habe Platz, Zeit und Muße für ein neues Buch geschaffen. Und vielleicht war es auch schlichtweg der falsche Zeitpunkt für das Buch und mich. 

Es kommt natürlich auch vor, dass man einen echten Lauf beim Lesen hat, viele gute und spannende Bücher in die Hände bekommt und dann mal eben 70 Bücher liest. In so einem Fall sollte man sich den Lauf nicht durch übermäßiges „Zerdenken“ kaputt machen und es einfach genießen. Wenn man aber merkt, dass ein Buch nicht passt, sollte man es zumindest zur Seite legen und seine Zeit einem Werk widmen, das mehr begeistern kann – so handhaben wir es im Übrigen auch in unserem Buchclub. 

Ein aufgeschlagenes Buch und eine Tasse. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #9 – Rezensionsexemplare einfach annehmen

Rezensionsexemplare sind eine schöne Sache, sie helfen sowohl Verlagen und Autoren als auch Bloggern, Journalisten und professionellen Lesern dabei, den Literaturbetrieb in den Medien präsent zu halten, auf neue Geschichten aufmerksam zu machen und einen Teil der  finanziellen Last von den Schultern derer zu nehmen, die ihre Zeit ins Lesen und Rezensieren eines Buches stecken. Für alle, die den Zeitaufwand nicht so recht einschätzen können: um ein Buch mit 400 Seiten zu lesen, braucht man gut und gerne 6 bis 7 Stunden. Wenn man sich nebenbei für die Rezension schon Notizen macht, wichtige Stellen markiert und Zitate rausschreibt vielleicht sogar eher 8 Stunden. Hinzu kommt die Zeit, die man in Fotos für den Beitrag, Recherche, Schreiben der Rezension, Formatieren des Blogbeitrags, Social-Media-Texte und den Kontakt mit Autoren und Verlagen investiert. Diese Zeit lässt sich schwerlich beziffern, für das Beispiel nehmen wir aber auch hierfür einmal ca. 6 Stunden an. 

Von Stundenlohn und Werbung

Im Grunde dauert es also rund 14 Stunden, ein Buch zu lesen und eine Rezension mit allem Drum und Dran zu bloggen. Im Schnitt kostet ein Buch mit 400 Seiten etwa 15 Euro. Sieht man das Buch als „Bezahlung“, kommt man auf einen Stundenlohn von 1,07 Euro für den Blogger. Verlag und Autor generieren im Zweifel über die Reichweite des Bloggers, Journalisten oder Lesers einen viel höheren Umsatz als ohne die „Werbung“. Ich möchte an dieser Stelle nicht dafür plädieren, dass Rezensionen bezahlt werden sollten. Ich möchte allerdings betonen, dass ein Rezensionsexemplar KEINE Bezahlung des Bloggers, Journalisten oder professionellen Lesers darstellt, sondern lediglich das kostenfrei zur Verfügung gestellte Arbeitsmaterial ist. Was am Ende daraus gemacht wird (umfangreiche Rezension, Buchbesprechung, Erwähnung in einem Leserückblick etc.), sollte nicht Teil einer Vereinbarung sein. 

Eine alte Schreibmaschine von Optima. Foto: Lilli/geek's Antiques

Viel zu oft nimmt man aber trotz allem ein Exemplar (inkl. einer Menge an Forderungen ohne Bezahlung) an, weil man meint, sich geehrt fühlen zu müssen, überhaupt gefragt worden zu sein und einfach nicht undankbar rüberkommen möchte. Dementsprechend behalte ich es mir vor, Rezensionsexemplare abzulehnen, wenn sie mich nicht ausreichend interessieren oder ich schlichtweg keine Zeit dafür habe. Im Zweifel liegt es nicht einmal am Buch selbst, sondern an der begrenzten Zeit, die mir für die Bearbeitung von Rezensionen zur Verfügung steht. Und wer weiß, vielleicht überzeugt das angebotene (und abgelehnte) Rezensionsexemplar am Ende so sehr, dass ich es nach einiger Zeit ganz normal im Buchhandel kaufe. Das Gesagte gilt natürlich nur eingeschränkt für Selfpublisher und Kleinverlage, die im Gegensatz zu den großen Publikumsverlagen auf die „kostengünstige“ Werbung und Unterstützung durch Blogger angewiesen sind. In diesem Fall ist es eher ein freundschaftliches Geben und Nehmen als eine tatsächliche Geschäftsbeziehung. 

Keine Geschenke

Im Grunde möchte ich mit diesen Aussagen auch keine Verlage oder Autoren (egal ob groß oder klein) verprellen und sie entmutigen, einfach ein Rezensionsexemplar anzubieten – wer ein gutes Buch hat, soll es gerne bewerben! – ein passender Leser, der Lust und Zeit hat, sich mit dem Werk zu beschäftigen, wird sich schon finden. Ich will den „Neidern“ und Negativkommentar-Schreibern nur einmal vor Augen führen, dass Rezensionsexemplare weder ein Geschenk noch eine Bezahlung/Bestechung sind, sondern reines Arbeitsmaterial, das am Ende keinerlei Gewinn für den Blogger, Journalisten oder Leser abwirft und es deshalb nicht undankbar, sondern ehrlich und besser für das Buch ist, ein Rezensionsexemplar abzulehnen, wenn man keine Zeit oder kein 100%iges Interesse hat.  

Ein Smartphone und eine Dose mit Kopfhörern. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #10 – Social Media wichtig nehmen

Viele der Punkte, allen voran die Negativität und das Scherzen über Blog, Ideen, Hobby und Job, sind nicht nur im „echten“ Leben immer wieder Gegenstand von Diskussionen, sondern auch auf den sozialen Netzwerken. Ich selbst lasse mich leider oft von Dingen wie gemeinen Kommentaren, weniger Reichweite als „die großen Buchblogger“ zu haben oder dem Umstand, dass nicht jeden Tag 120 Leute via Social Media auf meinen Blog klicken, entmutigen. Was ich nicht müsste. Denn meine Texte sind gut genug, sodass sie bei vielen Themen unter den Top 5 der Google-Suchergebnisse landen oder durch Mundpropaganda weitergeleitet werden. Doch diesen „Erfolg“ sieht man in den sozialen Netzwerken nicht. Dort zählt, wie viele Abonnenten jemand hat, wie viele (teils sinnfreie Herzchen-)Kommentare ein Beitrag bekommt und nicht, wie viele Leute sich tatsächlich aktiv mit den Inhalten auseinandersetzen. Instagram & Co. können gesellige und kommunikative Netzwerke sein, sie bieten aber auch die Plattform für Neid und Gemeinheiten. 

Was anfangs eine kleine Bubble war, die geschickt für Werbung genutzt wurde, hat sich zu einer riesigen, sich selbst überschätzenden Blase aufgeladen, die mehr Luft enthält, als man ob der schieren Größe von außen denken mag. 

„Don’t give a shit!“

„Don’t give a shit!“ – Leichter gesagt als getan, doch genau das ist die Essenz des letzten Punktes auf meiner Not-To-Do-Liste. 

Wie steht ihr dazu? Welche Dinge stehen bei auch ganz oben auf der Not-To-Do-Liste?

Im ersten Teil geht es um die Not-To-Do #1 bis #5 und thematisch unter anderem um negative Stimmen, Ziele, Einschränkungen und Bezahlung. Den Artikel findet ihr hier: Gedankenspiele | Die Not-To-Do-Liste – 10 Dinge, die ich lieber lasse (Teil 1)

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