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Gedankenspiele | Die Not-To-Do-Liste – 10 Dinge, die ich lieber lasse (Teil 1)

Viele starten ihr Jahr mit guten Vorsätzen, planen jeden Monat neue To-Dos und schreiben sich Woche für Woche Listen mit Dingen, die sie tun wollen. Wieso gibt es eigentlich so selten Listen, mit Dingen, die man NICHT tun will? Da ich mir diese Frage schon seit Wochen stelle, kommt heute, entgegen der üblichen Leier, eine Liste mit 10 Dingen*, die ich in diesem Jahr lieber lasse bzw. die ich nicht (mehr) tun möchte. Genauer gesagt sind es im heutigen Beitrag 5 Dinge, die nächsten 5 Not-To-Dos behandle ich aus Platzgründen in einem zweiten Beitrag, der am Ende verlinkt ist. 

(*Und du, der oder die du bei der Überschrift „10 Dinge, die ich lieber lasse“ an den grandiosen Film „10 Dinge, die ich an dir hasse“ mit Julia Stiles und Heath Ledger gedacht hast, kannst dir jetzt auf die Schulter klopfen und dich für deinen hervorragenden Filmgeschmack loben. Wir haben denselben Humor. Und nun weiter im Text.)

Not-To-Do #1 – Auf negative Stimmen hören 

Die Schattenseiten kreativer Arbeit – ganz egal ob als Zeitvertreib, als Tagesberuf oder in selbstständiger bzw. freiberuflicher Tätigkeit – sind definitiv Unverständnis, Anfeindungen und negative Kommentare. Leute, die Dinge tun und hervorbringen, die andere zwar gerne und am liebsten in Massen on demand konsumieren, aber niemals selbst kreieren, produzieren oder erschaffen würden, sehen sich häufig der Kritik ausgesetzt, das was sie tun sei „peinlich“, „unnötig“, „keine richtige Arbeit“, „Spinnerei“ oder „Firlefanz“. Nur wer auch über sein Leben spricht, als sei es das härteste der Welt, der arbeitet richtig. Wirklich? Ich glaube nicht. 

Dumme Kommentare

Doch viel zu oft halten solche negativen Stimmen andere davon ab, etwas zu tun, was sie nun mal gerne tun möchten (ungeachtet der Tatsache, ob es Geld bringt oder nicht). Viel zu oft eröffnet eine Person aufgrund von dummen Kommentaren keinen eigenen Cupcake-Laden oder traut sich nicht, Selbstgemachtes oder eigene Ideen im Internet zu teilen. Viel Potenzial geht verloren, weil ein Hobby oder eine Berufung als „Mist“ oder „Peinlichkeit“ angesehen wird – von Menschen, die diese Dinge nicht einmal ansatzweise verstehen geschweige denn umsetzen könnten. 

Negativität ist nicht konstruktiv

Es sagt sich so leicht, dass man derartige Kommentare doch einfach ignorieren könne, denn tief im Innern sähen sie trotzdem Zweifel an den eigenen Werten und Ideen – egal wie sehr man auch versucht, das Negative zu überhören. Ständig für die eigene Sache einstehen zu müssen ist nicht nur nervig, sondern raubt auch Energie. Energie, die sonst einfach in Projekte fließen könnte, die die „Hater“ ja wiederum gerne konsumieren wollen. Aus diesem Grund werde ich nicht mehr über geplante Projekte sprechen, bevor sie umgesetzt und „dingfest“ sind. Zum einen, da sie sonst schamlos gestohlen und kopiert werden, zum anderen, weil Negativität alles andere als beflügelnd ist. In Zukunft möchte ich außerdem weniger auf negative, schlechtgemeinte Stimmen hören und nur die Kritik annehmen, die auch berechtigt und konstruktiv ist. Denn wer die Leistungen und die Kreativität anderer nicht anerkennen kann, hat keinen Platz in einer Welt voller Ideen. 

Eine Tasse Kaffee und ein leeres Notizbuch mit Stift. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #2 – Auf den richtigen Moment warten 

Punkt 2 auf der Not-To-Do-Liste schließt im Grunde an Punkt 1 an, denn in vielen Fällen sind negative Kommentare der Grund, wieso man auf den vermeintlich richtigen Moment wartet, nur um es am Ende gar nicht zu machen. Wie oft sagt man sich: da muss ich noch warten, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist! Jetzt gerade ist es zu früh, bin ich zu jung, steht der Mond nicht richtig.

Der „eine“ Moment

Und so verschiebt sich ein Projekt in den nächsten Monat, das nächste Jahr oder das nächste Leben. Für die meisten Dinge gibt es nicht „den einen richtigen Moment“, es gibt lediglich ein Zusammenspiel aus Ideen, Wagemut, ein wenig Glück und viel Arbeit. In den meisten Fällen ist es zwar gut und richtig, eine Idee mehrfach zu überdenken, die einzelnen Schritte durchzuspielen und sich genau zu überlegen, wie man eine Sache bestmöglich umsetzen kann. Und es ist auch in Ordnung, Dinge über den Haufen zu werfen und sich bewusst dagegen zu entscheiden. Aber aufgrund von irrationalen Bedenken oder Angst vor der Umsetzung zu warten und am Ende vielleicht eine Chance zu verpassen, ist nicht der richtige Weg. Wer eine Idee hat, sollte sich hinsetzen, loslegen und einfach machen. 

Einfach machen?

Das heißt jedoch nicht, dass man ein Projekt deshalb nicht planen sollte. Etwas „einfach zu machen“ kann auch bedeuten, ein konkretes Ziel für das kommende Jahr festzusetzen und die Schritte festzulegen, die es braucht, um dorthin zu gelangen. Der Unterschied zu einem Traum (der auch leider meistens ein Traum bleibt) ist lediglich die Tatsache, dass man es am Ende auch umsetzt. In diesem Sinne habe ich für 2020 viele Projekte geplant, die ich trotz sicherlich einsetzendem Unverständnis und dummer Kommentare „einfach machen“ werde. Getreu Punkt 1 werde ich aber an dieser Stelle noch nicht konkreter darüber sprechen.

Ein aufgeschlagenes Buch, eine Tasse Kaffee und ein Croissant. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #3 – Zu kleine Ziele setzen 

Wie heißt es so schön? „Think Big!“ oder „Selbst ein gutes Pferd springt nur so hoch, wie es muss, also leg die Latte hoch!“. Doch ebenso häufig liest man, dass vor allem kleine Ziele wichtig sind, da sie schneller erreicht werden können und die Belohnung bzw. der Erfolg nicht so lange auf sich warten lässt. Anderseits können kleine Ziele die Orientierung nehmen und das große Ganze in Vergessenheit geraten lassen. Große Ziele hingegen müssen nicht immer gruselig und weit entfernt sein, sie können auch anspornen und motivieren: wer sich keine großen Ziele setzt, kann auch niemals Großes erreichen. Aber was denn nun? Klein oder groß? Schneller Erfolg oder langer Weg? 

Großes Ziel, kleine Schritte

Ein Kompromiss erscheint mir die beste Lösung: den Fokus auf große Ziele setzen und in kleine Mini-Ziele oder Meilenstein aufbrechen. Wer ein Buch schreiben will, kann mit einer Kurzgeschichte anfangen oder sich zuerst einmal ein Kapitel vornehmen. Wer eine Sprache fließend sprechen lernen möchte, kann vielleicht erst einmal einen Film in dieser Sprache mit deutschen Untertiteln schauen und sich ein bereits auf Deutsch bekanntes Buch in der Fremdsprache besorgen. Ein Schritt nach dem anderen. Doch dabei sollte man nie das „höhere Ziel“ aus den Augen verlieren. In diesem Jahr möchte ich weniger an kleinen Meilensteinen festhalten, sondern auch die großen Ziele angehen und umsetzen. Und auch hier gilt wieder der Grundsatz des Schweigens, um Kommentaren, die meine Ziele für unrealistisch, unwichtig oder dumm halten, schlichtweg keinen Raum zu geben und mein geistiges Eigentum so lange zu schützen, bis das Projekt beendet und veröffentlicht ist.

Ein aufgeschlagenes Buch. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #4 – Unbezahlt arbeiten

Im Prinzip handelt es sich bei Punkt 4 nicht wirklich um eine „Not-To-Do“, denn eigentlich sollte man niemals ohne Bezahlung arbeiten. Doch gerade in kreativen Bereichen ist Arbeiten ohne Lohn häufig anzutreffen. Hier wird ein Gefallen eingefordert, dort ein wenig Hilfe in Anspruch genommen und an anderer Stelle soll man „nur mal eben“ eine Dienstleistung als Gefälligkeit erledigen, die in einem professionellen Umfeld mehrere Hundert Euro kosten würde. Fotografen kennen das Problem wahrscheinlich zur Genüge, ebenso wie Handwerker, Künstler oder andere Kreative, die etwas besonders gut können und deshalb oft für bestimmte Tätigkeiten von Freunden und Bekannten eingespannt werden.

Meine Idee gehört dir nicht!

Oft zu hören ist auch der Satz „Die Idee ist toll, daraus sollten WIR was machen und das verkaufen!“ – im Endeffekt bedeutet dieser Satz aber einfach nur, dass man alleine die Arbeit hat und die anderen finanziell profitieren. Gerade wenn eine Person sich beruflich auf ihre Kreativität verlassen muss und die geistigen Ideen die Geschäftsgrundlage sind, grenzt es schon fast an Ausbeutung, eine Idee als „gemeinsames“ Projekt verkaufen zu wollen.

Arbeit ist Arbeit

Es spricht selbstverständlich nichts gegen einen Freundschaftsdienst und auch eine ehrenamtliche Tätigkeit ist eine wichtige Arbeit, die in der Regel nicht bezahlt werden kann oder sollte. Aber wer seine Fähigkeiten außerhalb eines Ehrenamtes oder Vereins unter (oder ohne) Wert verkauft, nur weil das Gegenüber nicht bereit ist, eine Leistung angemessen zu bezahlen, macht einen großen Fehler. In den letzten Jahren und Monaten habe ich oft aus Freundlichkeit Aufgaben übernommen, stundenlang an Projekten für andere gesessen oder aus reinem Perfektionismus Hilfe bei Social Media, Abschlussarbeiten oder künstlerischen Tätigkeiten angeboten. Eine Hilfe, die meist schnell angenommen, aber am Ende noch nicht einmal gedankt wurde. Mir ist bewusst, dass es sich dabei um ein persönliches Problem handelt. In Zukunft wird es aber das Problem derer sein, die nicht bereit sind, eine kreative oder geistige Dienstleistung als das zu bezahlen, was sie ist: nämlich Arbeit.

Einige Bücher auf dem Boden liegend. Foto: Lilli/geek's Antiques

Not-To-Do #5 – Content begrenzen

Jeder Marketing-Ratgeber und jedes Handbuch für Unternehmer, Selbstständige und Kreative wird bei der Themenfindung für einen Blog, ein Magazin, eine Website genau eine Sache raten: finde deine Nische, begrenze deine Inhalte auf ein sehr spezielles Themengebiet und sei ein Experte für nur eine einzige Sache. Aber muss das sein? Muss ich mich beispielsweise auf das Lesen von Romantasy-Büchern für weibliche Leserinnen von 12 bis 16 Jahren beschränken, in denen maximal 7 Charaktere vorkommen dürfen und immer Vollmond ist? Oder soll ich ausschließlich Bücher besprechen, die im Prag des 20. Jahrhunderts spielen und in denen ein männlicher Protagonist mit trauriger Vergangenheit und geheimnisvollen Narbe vorkommt? Die meisten Marketing-„Spezialisten“ würden sagen, dass ich genau das tun sollte. Experte werden und dabei alles ausblenden, was nicht in die „Nische“ passt. Aber will ich das? Würde ich das selbst lesen wollen? Ist es schlimm, wenn Leser auf die Seite kommen und nicht jeden Artikel toll finden? Ich denke nicht. 

Experte oder Hochstapler?

Also wieso sollte ich nicht über Videospiele schreiben, wenn ich in einem anderen Artikel ein naturwissenschaftliches Sachbuch vorstelle? Kann ein Mensch nicht viele Interessen und zudem auch in einigen Bereichen (statt nur einem Feld) einen „Experten“-Status haben? 

An dieser Stelle kommt vielleicht kurz das Impostor-Syndrom (= Selbstzweifel an den eigenen Fähigkeiten) zum Vorschein, muss es aber nicht. Man kann und darf viele Sachen gut finden, man kann und darf auch in vielen Dingen „ein Experte sein“. Aber, guess what? Sogar das muss man nicht, um darüber schreiben (oder es tun) zu dürfen. Ich bin beispielsweise absolut unmusikalisch, aber darf ich deshalb nicht das eine Lied, das ich mit verkrümmten Fingern auf dem Klavier zustande bringe, in Dauerschleife klimpern und mich darüber freuen? Zugegeben, es klingt schlimm und niemand würde es hören wollen, trotzdem macht es Spaß. Was ich damit sagen will: man muss nicht alles können, man darf aber alles ausprobieren und auch Content muss nicht immer perfekt sein. Irgendjemandem (und wenn es nur man selbst oder die eigene Oma ist) wird es gefallen. 

Welten statt Nischen

Meine Projekte sollen keine Nischenprojekte sein, geschweige denn einer bestimmten Zielgruppe hinterherlaufen. Meine Projekte sind der Content, den ich mag und deswegen kreiere. Die Zielgruppe findet schon zu den Inhalten, auch ohne eine unnötige Beschränkung, die mir ein Nischendasein vorschreiben will. Wenn also ein Rezept aus einem Fantasy-Buch neben einem Modebuch und das wiederum neben einer DIY-Anleitung für nerdige Futterhäuschen steht, dann ist das so. geeksantiques.de soll schließlich eine Welt voller Bücher und Wunder sein und kein Schrank unter der Treppe, der mit dem gleichen alten Kram vollgestopft wird. Wer schreibt und kreiert, erschafft Welten – und die sind in der Regel nun mal nicht gleichförmig und klein. Es ist allerdings die eigene Welt und ich finde, das ist Nische genug!

Wie steht ihr dazu? Welche Dinge stehen bei auch ganz oben auf der Not-To-Do-Liste?

In einem zweiten Teil geht es um die Not-To-Do #6 bis #10 und thematisch unter anderem um Trends, Social Media und Abbrüche. Den Artikel findet ihr hier: Gedankenspiele | Die Not-To-Do-Liste – 10 Dinge, die ich lieber lasse (Teil 2)

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