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Rezension | Gena Showalter – Immerwelt. Der Anfang

Im August ging es nach der Sommerpause in unserem Buchclub mit der dystopischen Immerwelt aus der Feder der amerikanischen Autorin Gena Showalter weiter. Wie schon bei Obsidian drifteten auch hier die Meinung der Buchclub-Mitglieder weit auseinander, was zu einer sehr schönen Diskussion geführt hat. Wie mir persönlich das Buch gefallen hat, und ob ich die weiteren Teile noch lesen möchte, verrate ich im folgenden Beitrag. Am Ende des Artikels gibt es außerdem die Meinung der anderen Buchclub-Mitglieder und ich verkünde das Buchclub-Buch für den Monat September!

Die Immerwelt – Gut gegen Böse, Licht gegen Dunkelheit?

Tenley, kurz Ten, ist siebzehn und lebt in einer Welt, in der sich alle Menschen vor ihrem Tod für eine Seite entscheiden müssen, zu der sie sich in ihrem Ewig- bzw. „Zweitleben“ nach dem Tod bekennen wollen. Fällen sie keine Entscheidung, landen die Menschen in Viele Enden, einer Art Fegefeuer, das nur Schmerz und Verderben bereithält. Die beiden Seiten bzw. Sphären, Troika und Myriad, sind verfeindet und versuchen mit allen Mitteln, besonders starke, charismatische Menschen für sich zu gewinnen. Ten, die sich von ihrer Familie abgewendet hat und sich nicht entscheiden will, steht im Zentrum der Bemühungen beider Seiten. Doch trotz ihres Unwillens, Myriad oder Troika zu unterstützen, setzen beide Reiche sogenannte Agenten ein, die Ten um jeden Preis für sich gewinnen sollen. Im Handumdrehen findet Ten sich in einer heiklen Dreiecksbeziehung wieder und muss sich nicht nur für eine Seite, sondern auch für einen der Jungen entscheiden, die um sie kämpfen.

Exkurs: Die Immerwelt

Das Buch Immerwelt von Gena Showalter, eine Tasse Kaffee und ein Zweig Eukalyptus. Foto: Lilli/geek's Antiques

Es dauert eine ganze Weile, bis man sich in der komplexen Geschichte zurechtgefunden hat. Mein größtes Problem waren die beiden Reiche Myriad und Troika, die ich zu Anfang nicht auseinanderhalten konnte, da eine Art Erklärung oder Einführung gänzlich fehlte. In der Regel dient das in Büchern dazu, um gemeinsam mit den Charakteren nach und nach die Hintergrundinfos zu entdecken, allerdings sind in diesem Fall Ten, ihre Mitstreiter und die Agenten zumindest grob über die Sphären informiert und haben dem Leser einiges an Wissen voraus. Dementsprechend dauert es recht lange, bis sich aus den spärlich gestreuten Informationen endlich die „Immerwelt“ zusammensetzt. Für alle, die das gleiche Problem haben, deshalb hier eine kurze (spoilerfreie) Übersicht über die Welt von Gena Showalter:

In der Immerwelt existieren neben der Welt der Sterblichen, die auch als „Land der Ernte“ bezeichnet wird, drei Reiche bzw. Sphären, in die die Menschen nach ihrem Tod gelangen. Dort verbringen sie ihr sogenanntes Ewig- oder Zweitleben als Geistweisen, die in Hüllen schlüpfen können, um für bestimmte Missionen wieder ins Land der Ernte zurückzukehren. Die Sphäre Myriad ist das Reich der Dunkelheit und der Schicksalsgläubigen, Zweitlebende dort sind eher melancholisch, düster und verehren das Mondlicht. Troika steht für Helligkeit und Erkenntnis, seine Anhänger sind friedvoll, sanft und verehren den Sonnenschein. In beiden Sphären müssen die Mitglieder bestimmte Verpflichtungen erfüllen und erhalten, je nach Befähigung, einen Rang bzw. eine Rolle.

Wer sich für keine der beiden Seiten entscheidet, gelangt unweigerlich nach Viele Enden, dem Fegefeuer der Immerwelt. Die Seelen dort gelten als verloren, ewigem Schmerz und Leid ausgesetzt.

Kinder landen, wenn sie vor ihrem 18. Geburtstag noch keine Entscheidung für eine der beiden Seiten getroffen haben, automatisch in der Sphäre, für die sich ihre Eltern entschieden haben. Wird man 18, stirbt und hat noch keine Entscheidung getroffen – ist also ein Ungezeichneter – landet man in Viele Enden. Wenden sich Kinder von ihren Eltern ab und entscheiden sich für die andere Seite, hat das in der Regel auch Konsequenzen für den gesellschaftlichen Status der Eltern. Die Reiche sind hierarchisch und militärähnlich organisiert, es gibt Generäle, Offiziere, Agenten und das klassische „Fußvolk“.

Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, um den Inhalt des ersten Bandes nicht vorweg zu nehmen.

Das klassische Beziehungsdreieck

Was den emotionalen Teil der Geschichte angeht, hält es Immerwelt leider wie die meisten Fantasy-Jugendromane (siehe Twilight und Co.): Die Protagonistin Ten befindet sich zum Beginn der Erzählung an einem Scheidepunkt in ihrem Leben. Sie muss nicht nur eine lebensverändernde Entscheidung treffen, die sich im Zweifel auch nicht mehr umkehren lässt, nein – sie steht auch zwischen zwei äußerst attraktiven jungen Männern, die zufälligerweise beide an ihr interessiert sind. Der eine ist der klassische Bad Boy, hartnäckig und skrupellos, während der andere sich liebevoll um sie sorgt, sanftmütig und vernünftig agiert. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Ten als sehr analytische, zahlenaffine Person dargestellt wird, erscheint es fast unglaubwürdig, dass ihr siebzehnjähriges Hirn sich in der Gegenwart der beiden Jungen sofort selbst deaktiviert und sie zu einem verliebten Dummerchen wird. Hier hätte ich mit etwas mehr Feingefühl der Autorin gewünscht.

Die Liebesgeschichte könnte man, wie ich finde, auch einfach weglassen. Durch Tenleys fehlendes Gejammer wäre das Buch dann zwar etliche Seiten kürzer gewesen, der Story an sich hätte es aber keinen Abbruch getan. Denn an sich ist die Grundidee mit einem Zweitleben und den beiden verfeindeten Reichen eine so starke, neue und gute Idee für eine Fantasydystopie, dass es den romantischen Teil gar nicht gebraucht hätte.

Der Tod ist erst der Anfang

Der Clubbutton des Buchclubs auf dem Buch Immerwelt und ein Zweig Eukalyptus. Foto: Lilli/geek's Antiques

Ist man aber einmal im Thema drin und blendet die ewige Liebelei ein wenig aus, nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf und bleibt bis zur letzten Seite spannend (was bei fast 500 Seiten schon etwas heißen will!). Die Idee eines Zweitlebens nach dem Tod und der fraktionsähnlichen Zuordnung zu einem der Reiche bzw. Sphären – wir erinnern uns an „Die Bestimmung“ bzw. „Divergent“ von Veronica Roth – ist ein Konzept mit viel Potenzial, das hoffentlich in den Folgebänden noch weiter ausgebaut wird. Denn der Tod ist für die Menschen in Gena Showalters Immerwelt erst der Anfang eines weiteren, womöglich viel spannenderen Lebens. Was genau hat es mit dem Konflikt zwischen Myriad und Troika auf sich? Wer sind die mysteriösen Generäle? Und warum ist Ten so wichtig?

Da der erste Band zumindest bei mir mehr Fragen aufgeworfen hat, als er beantworten konnte und die Lovestory für mich doch etwas arg im Vordergrund stand, kann ich dem Buch trotz genialem Grundkonzept keine 4 oder 5 Sterne geben. Für den Auftakt der Immerwelt-Reihe sind es daher nur 3 Sterne, aber mit viel Potenzial für die Folgebände.

Ich hoffe auf Besserung und will unbedingt wissen, wie es weitergeht. Demnach werde ich in den zweiten Band reinlesen und mich (hoffentlich positiv) überraschen lassen. Band 2 „Immerwelt. Der Pakt“ erschien am 04.01.2019, Band 3 „Immerwelt. Das Erbe“ erschien am 01.07.2019.

Das sagen die Buchclub-Mitglieder

„Ich fand das Ende sehr gut gelöst und ich will tatsächlich gerne weiterlesen! „

– Alex (@axalotti)

Das sagt Alex: „Die Geschichte an sich hat so viel Potenzial, allerdings sind tatsächlich viele Gespräche sehr flach. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich auch um ein Jugendbuch handelt. Ich fand das Ende sehr gut gelöst und ich will tatsächlich gerne weiterlesen!“

„Mein größtes Problem mit dem Buch ist diese Dreiecksgeschichte.“

– Lilli (@geeksantiques)

Das sagt Lilli: „Mein größtes Problem mit dem Buch (wie auch bei Obsidian, Divergent und Twilight) ist diese Dreiecksgeschichte und die teils dümmliche Art von Ten. Da passt ihr Geschwärme auch nicht so recht zu ihrer analytischen Persönlichkeit. Und was die Sphären angeht: die Idee ist super, aber ich habe so furchtbar lange gebraucht, um sie auseinanderhalten zu können bzw. zu wissen, wofür sie stehen und was sie wollen.“

„Ich fand das Buch furchtbar.“

– Franzi (@pflanzis)

Das sagt Franzi: „Ich fand das Buch furchtbar. Die Gespräche waren so prollig und möchtegern-pubertär. […] Die Idee der Sphären ist an sich nicht schlecht, wurde aber für meinen Geschmack viel zu schlecht und verwirrend erklärt. Insbesondere da Ten ja sehr mathematisch veranlagt war, hätte ich auf eine logischere und strukturiertere Erklärung (und generell Erzählung) gehofft. Auch, wofür die beiden Fraktionen stehen, war irgendwie so schwammig:  Licht/Blümchen/Jenseits vs. Dunkelheit/Scheinchen/Wiedergeburt. Mich hat keine der beiden Ideen richtig gepackt und die, ich nenne es jetzt mal religiöse Missionierung, fand ich irgendwie unangenehm. […] Fazit: Es hat mich einfach gar nicht gefesselt. Am Ende bin ich an das Buch rangegangen, wie an eine schlechte bis mittelmäßige Fanfiction: Mäßiger Schreibstil, undurchdachte aber durchaus interessante Grundidee, aber schlechte und unstrukturierte Umsetzung. Man darf halt nicht zu viel erwarten.“

„Ich werde definitiv weiterlesen!!! Ich muss ja erfahren ob meine Lieblingsfigur wieder zum Leben erweckt wird!“

– Lina (@meinroterkoffer)

Das sagt Lina: „Also ich muss sagen, ich fand es nicht ansatzweise so schlecht. Klar ist es nichts hochintellektuelles. Sondern eher was zur Unterhaltung. Es ist aber eben ein Jugendbuch. Es hat mich sehr an „Die Bestimmung“ erinnert. Und ich werde definitiv weiterlesen!!! Ich muss ja erfahren ob meine Lieblingsfigur wieder zum Leben erweckt wird!“

Wie geht es weiter im Buchclub?

Das Buchclub-Buch im September ist „Faye – Herz aus Licht und Lava“ von Katharina Herzog (Loewe Verlag). Der Roman spielt in Island und verspricht uns – wie sollte es anders sein? – Elfen und Zwerge sowie eine spannende Geschichte rund um die junge Faye, die mit ihrer Mutter in das Land der Geysire, Islandpferde und moosbewachsenen Hügel reist. Dort erwartet die beiden ein Dorf voller abergläubischer Menschen, die sich zu einer Protestbewegung gegen den Bau eines Hotels und für den Schutz der Elfen zusammengefunden haben.

Das Buch Faye von Katharina Herzog neben einer Tasse Kaffee und einer French Press. Foto: Lilli/geek's Antiques

Wir wollen das Buch bis Ende September beenden, um uns Anfang Oktober zu treffen und über die Story zu reden. Wer mitlesen möchte, kann sich spontan noch unter buchclub (at) geeksantiques.de oder via Instagram (@fantasticbooksandwheretoreadem) melden!

Literaturverweise:
Herzog, Katharina (2019): Faye – Herz aus Licht und Lava. Bindlach: Loewe Verlag
Showalter, Gena (2018): Immerwelt. Der Anfang. Hamburg: Harper Collins

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