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Rezension | Gemma Fowler – Moon Dust

[Rezensionsexemplar] Was geschieht, wenn der Menschheit die Ressourcen ausgehen? Schon jetzt erforschen wir das All nach fremdem Leben und neuen Energiequellen. In „Moon Dust“ war diese Suche bereits erfolgreich: nach einer Energiekrise auf der Erde wurde eine bewohnbare Mondbasis errichtet, in der Mondstaub, auch bekannt als Lumite, abgebaut und auf die Erde geschickt wird. Tauchen wir ein in eine Sci-Fi-Dystopie auf dem Mond!

Im März 2018 erschien Gemma Fowlers „Moon Dust“ bei Chicken House, einem Gemeinschaftsunternehmen des Carlsen Verlags und des britischen Kinderbuchverlags The Chicken House. Sowohl das Cover (knallige Schrift auf dunklem Grund) als auch der Klappentext weisen das Buch bereits als klassische Young-Adult-Dystopie aus – und das ist es auch. Dennoch kann man auch als nicht mehr ganz so „young“ Adult Freude an dem Buch haben und sogar einige wichtige Denkansätze in Bezug auf die Endlichkeit unserer Ressourcen mitnehmen.

Nichts scheint heller als der Mond
Doch schauen wir uns zunächst an, worum es eigentlich geht: Wir befinden uns auf dem Mond. Genauer genommen auf der erdzugewandten Seite des Mondes auf der Mondstation von LunarInc. Nach einer Energiekrise auf der Erde war Lumite, der Mondstaub, die Rettung: als Energielieferant und scheinbar unendliche Ressource aus dem All wird der „Moon Dust“ von Arbeitern gewonnen und in großen Fuhren auf die Erde geschickt, um dort für Licht und Hoffnung zu sorgen. Doch eine Gruppe aus Widerstandskämpfern, die A.L.L., wittert eine Verschwörung und versucht mit Anschlägen, unter anderem in Tokio, die Allmacht von LunarInc. zu schmälern und die dunklen Machenschaften auf dem Mond aufzudecken.

LunarInc. versucht derweil mit Hilfe von Aggie, einer 17-jährigen Analystin auf der Mondstation, die Menschen an die bedeutenden Errungenschaften durch den Abbau von Lumite zu erinnern und eine Rebellion zu verhindern. Als Überlebende einer Reaktor-Katastrophe vor genau 10 Jahren soll sie unter dem Namen „Engel von Adrianne“ als Symbolfigur für die Bevölkerung auf dem Mond und der Erde fungieren. Anfangs ist Aggie auch mehr oder weniger überzeugt von ihrer Mission und lässt sich für die Propaganda von LunarInc. einspannen. Unterstützt von Erd-PR-Mitarbeiterin Mir und der Künstlichen Intelligenz Celeste bereitet sie ihren großen Auftritt vor. Doch dann begegnet sie dem Rebellen Danny und alles ändert sich…

Kosmische Charaktere und knappe Ressourcen
Im Großen und Ganzen hat mir der Schreibstil der Autorin gut gefallen. Die Geschichte lässt sich aus sprachlicher Sicht flüssig lesen, auch wenn mir der regelmäßige Ausruf „kosmisch!“ der einzelnen Charaktere irgendwann auf die Nerven ging. Die vielen weiteren kleinen Phrasen und Redensarten, die an das Weltraum-Motiv angepasst wurden, sind hingegen in sich stimmiger gewählt. Auch die Wiedergabe der Gedankenwelt einer 17-jährigen ist gut gelungen, als Leser fühlt man Aggie‘s Unsicherheit in Bezug auf die ihr auferlegte Rolle als „Engel von Adrianne“ und die Zweifel, die die Begegnung mit dem jungen Rebellen in ihr sät.

Die wenigen Personen, die für den Verlauf der Geschichte von Bedeutung sind, wurden erzähltechnisch gut, wenn auch recht stereotypisch gezeichnet. Mich persönlich hat Aggie‘s Rolle als „Engel von Adrianne“ stark an die Rolle der Katniss Everdeen als „Mockingjay“ in „Die Tribute von Panem“ erinnert: eine Zwangsrolle als Symbolfigur einer politischen Bewegung, die laut eigenen Aussagen „nur das Beste“ für die Bevölkerung will. Und auch viele andere Charaktere muten wie kosmische Versionen von beispielsweise Alma Coin oder Präsident Snow an. Mit ein bisschen Spürsinn lässt sich leider recht schnell feststellen, welche Rolle einige Menschen wirklich bei LunarInc. spielen. Sehr überrascht hat mich allerdings, dass es sich bei dem stärksten Charakter in meinen Augen um die Künstliche Intelligenz Celeste handelt, die die gesamte Computersteuerung, die Kommunikation und das medizinische Monitoring auf der Mondbasis übernimmt. An dieser Stelle hat die Autorin ganze Arbeit geleistet und neuartige technische Erfindungen integriert.

Neben den offensichtlichen Themen der Künstlichen Intelligenz und der Raum- bzw. Mondfahrt werden auch die Ressourcenknappheit und Gefahren von politischer Propaganda angerissen. Der anfängliche Konflikt zwischen den Rebellen der A.L.L. und der einflussreichen Organisation rund um LunarInc. wandelt sich im Laufe der Geschichte und was vorher wie Schwarz und Weiß erschien, wird plötzlich Grau als das Allheilmittel für alle Probleme, Lumite, in die Kritik gerät. Leider wird das wirklich gute Potenzial nicht voll ausgeschöpft und alle Themen nur oberflächlich angeschnitten. Zudem weisen meiner Meinung nach auch die zeitlichen Ebenen Logikschwächen auf und der Grund für den Reaktor-Unfall in Adrianne wird bis zum Ende nicht wirklich befriedigend aufgelöst.

Gute Grundidee, schwache Umsetzung
Die Erzählung plätschert anfangs vor sich hin, zieht sich teilweise in die Länge und verwendet viel Zeit auf die Einführung in die fremdartige Welt auf dem Mond. Recht plötzlich (ca. ab der Hälfte des Buches) gewinnt die Story dann an Fahrt und es geht alles ganz schnell. Zwischenzeitlich hatte ich, ähnlich wie bei gekürzten Lesefassungen für Hörbücher, das Gefühl, etwas verpasst zu haben. So als fehlte ein wichtiger Teil der Geschichte oder man sei kurz eingenickt und an einer späteren Stelle wieder in die Handlung eingestiegen. Aus diesem Grund kam für mich das Ende nach dem langen Vorgeplänkel viel zu schnell und trotz der Spannung wollte auch hier der Funke nicht endgültig überspringen.

Für junge Fans von Science-Fiction und Dystopien im Stile von „Tribute von Panem“ und „Divergent“ ein mehr oder weniger gelungenes Buch mit einer schönen Grundidee, das anfangs seine Längen und einige Schwächen aufweist, zum Ende hin aber deutlich an Fahrt gewinnt und einen netten Plot-Twist bereithält. Alles in allem fällt die Umsetzung in Relation zur Grundidee jedoch eher schwach aus.

Aus diesem Grund gibt es leider nur 2/5 Leseeulen.

Literaturverweis (gebundene Ausgabe):
Fowler, Gemma (2018): Moon Dust. Hamburg: Chicken House

Buchdaten:
Einband: gebunden
Seitenzahl: 304
Erscheinungsdatum: 21.03.2018
Sprache: Deutsch
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3-551-52102-6

Ich habe dieses Exemplar vom Carlsen Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen Dank dafür! Die Buchdaten sind der Verlagshomepage entnommen.

© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
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