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Rezension | E. Alexander-Burgh – Die Lügenprinzessin

„Prinzessin Himmelblau war die bildschönste Prinzessin, die je gelebt hat. Ihr langes, weiches Haar glänzte wie pures Gold, ihre Haut war weiß wie teuerstes Porzellan, und ihre Augen waren blau – so himmelblau wie ihr Name. Alle anderen Prinzessinnen erblaßten vor Neid, wenn sie den Namen Himmelblau hörten. Nur leider hatte Prinzessin Himmelblau einen großen Fehler. Sie log nämlich wie gedruckt!“

– Eberhard Alexander-Burgh –

So beginnt die fantastische Märchenerzählung über die nicht ganz so tugendhafte Prinzessin… Doch was verbirgt sich hinter den himmlisch blauen Augen und dem güldenen Haar? Eine Buchrezension.

Das in Schreibschrift gedruckte und mit liebevollen Zeichnungen illustrierte Kinderbuch von Eberhard Alexander-Burgh (*1928 – †2004) wurde 1968 in der Erstauflage vom Verlag Engelbert veröffentlicht. Es ist das erste Buch des Kinder- und Jugendbuchautors, der vielen durch seine Radiosendungen und Fernsehprogramme (u.a. die Westausgabe des Sandmännchens) bekannt sein dürfte. Sein bekanntestes Werk ist die Geschichte von Hui-Buh, dem Schlossgespenst, welche im Jahr 2006 auch auf der Kinoleinwand Erfolge feierte.

Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die erst nach der Buchvorlage eine Adaption für Film und Fernsehen in Betracht ziehen, schrieb Alexander-Burgh seine Geschichten in erster Linie für die Bild- und Tonmedien und adaptierte diese später zu Büchern. So gilt der Bankkaufmann und studierte Germanist als der erste deutsche Medienautor der Kinder- und Jugendliteratur.

Lügen haben kurze Beine

Im Königreich Großbrombeerien herrscht Chaos. Denn Prinzessin Himmelblau kann es trotz des Flehens ihres Vater, dem König Adolar, nicht lassen und lügt tagein, tagaus wie gedruckt. Sie nascht von der Torte, stibitzt den Reichsapfel ihres geliebten Papikönigs (wie sie ihn liebevoll nennt), um damit Ball zu spielen und verhält sich auch sonst rein gar nicht so, wie man es von ihr erwartet. Als dann auch noch der Zauberer Lukufitzki Wind von der ganzen Lügerei bekommt, verzaubert er die Prinzessin kurzerhand. Für jede neue Lüge sollen sich im Schloss zu Großbrombeerien die Balken biegen und die Beine der Prinzessin Himmelblau zu schrumpfen beginnen. Das bringt den König Adolar und seinen klugen, aber sehr ängstlichen Minister Achduahnstesnicht in eine gar missliche Lage und das Fortbestehen des ganzen Königreichs steht auf dem Spiel. Doch zum Glück hat der gescheite Minister eine rettende Idee.

Und die Moral von der Geschicht…

Das Märchen von der Prinzessin Himmelblau und den schweren Folgen ihrer Lügen ist eine für Kinder ab 3 Jahren gut verständliche und an das junge Alter angepasste Geschichte, die, ähnlich wie viele Fabeln, eine belehrende Absicht enthält. Die Figuren sind liebevoll erdacht und beschrieben; besonders die lustige und einprägsame Namensgebung hat mir gefallen. Auch die Handlung ist witzig und geistreich: sie baut sich anfangs langsam, ja fast vorsichtig auf, lässt genügend Zeit, um die Personen kennenzulernen und verläuft zum Ende hin recht spannend und rasant. Und selbst für erfahrene, erwachsene Leseratten kommt die letzte Wendung ein wenig unerwartet. Die Erzählung wird unterstrichen von einer wirklich tollen Illustration, die trotzdem noch viel Spielraum für eigene Fantasievorstellungen bietet.

Das im wahrsten Sinne des Wortes „fabelhafte“ Ende des Märchens offenbart eine ähnliche Moral, wie wir sie oft aus vergleichbaren Erzählungen wie Pinocchio kennen. Die Lügenprinzessin durchläuft einen Reifungsprozess und beginnt, sich mit sich selbst und ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Somit weist die Geschichte Züge eines klassischen Entwicklungsromans auf. Kennzeichnend für diesen Romantypus ist die Selbstreflexion des Protagonisten und seine Desillusion. (Eine Studie aus dem Jahr 2014 zur Wirkung von Moralgeschichten auf die Ehrlichkeit von Kindern ergab übrigens, dass Geschichten, die die positiven Folgen von Ehrlichkeit betonen statt die negativen Konsequenzen hervorzuheben, Kinder deutlich stärker zu ehrlichem Verhalten anregen.)Obwohl „Die Lügenprinzessin“ (zu Unrecht) zu den eher unscheinbaren Werken Alexander-Burghs zählt und kaum ein Kind, das nicht in den 70er Jahren aufgewachsen ist, die wirklich zauberhafte Geschichte von der frechen Prinzessin kennt, ist dieses Erstlingswerk eine tolle und lehrreiche Erzählung für Kinder im Vor- und Grundschulalter (und natürlich wissbegierige Erwachsene!).

Literaturverweise:

Alexander-Burgh, Eberhard (1968): Die Lügenprinzessin. Balve/Sauerland: Engelbert-Verlag. (Hinweis: eine Neuauflage erschien 1987, das Märchenhörspiel ist als LP beim Label Europa erhältlich.)

Lee, K., Talwar, V., McCarthy, A., Ross, I., Evans, A., & Arruda, C. (2014): Can classic moral stories promote honesty in children? In: Psychological Science, 25 (8), p.1630-1636.

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