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Messen und Conventions | Absage der Phantastika 2018

Noch im letzten Jahr feierten mehr als 2.000 Fans die neue Phantastik-Messe im Congress Centrum Oberhausen und freuten sich bereits auf das angekündigte Comeback im September 2018. Jetzt wurde die Phantastika von offizieller Seite abgesagt. Aber aus welchem Grund? In der Stellungnahme ist zu lesen: „Die Vision von dieser bunten, fröhlichen und mehr als phantastischen Veranstaltung bleibt am Leben. Nur für dieses Jahr müssen wir leider schweren Herzens den Weg der Vernunft gehen.“ Und obwohl wir wohl alle ein wenig traurig sind, ist die Absage eine gute und richtige Entscheidung.

Junge Messe mit Potenzial
Die Phantastika ist eine noch sehr junge Messe, bei der Fantasy- und Science-Fictionliteratur, Rollenspiele und vor allem individuelle Akteure und Kleinverlage im Mittelpunkt stehen – eine Convention, die Wert darauf legt, nicht zu einer weiteren Comic-Con zu werden, auf der es massenweise Merchandise, aber kaum Inhalte und spannende Programmpunkte gibt. So konnte die Phantastika 2017 im Gegensatz zu kommerziellen Conventions mit kostenlosen Autogrammen, Lesungen und Impulsvorträgen punkten und selbst für aufwändige Workshops wurde (wenn überhaupt) nur ein kleiner Materialkostenbeitrag fällig. Für viele Fans eine seltenes Erlebnis, bedenkt man die enorm hohen Preise, die ansonsten für Signierstunden, Fotos und Panels bei den großen Conventions zusätzlich (!) zum Eintrittspreis anfallen.

Kurz gesagt, die erste Phantastika war ein vielversprechender Auftakt für viele weitere Jahre, auch wenn ein paar Dinge vielleicht noch etwas ungeordnet abliefen. Erste Anlaufschwierigkeiten seien jedoch gerne verziehen, denn ansonsten konnte die Messe alles bieten, was Fantasy-Herzen höher schlagen lässt. Und selten habe ich ein so entspanntes Publikum vor und hinter den Kulissen erlebt.

Absage trotz Erfolgsaussicht
Doch warum nun die Absage, wo doch der Erfolg für sich spricht? In einem Interview mit dem Corona Magazin verrät Mike Hillenbrand, kreativer Kopf hinter der Phantastika, den Grund.

Die Phantastika sei, so Hillenbrand, als Fantasy-Messe mit dem Schwerpunkt Literatur gedacht gewesen. Was im ersten Jahr noch gut funktioniert habe, sei mit größeren Sponsoren nun schwieriger geworden, da man auf die Wünsche und Ansprüche der Partner nicht hätte eingehen können, ohne ein Stück weit die eigenen Ideen und Überzeugungen aufgeben zu müssen. Die „ursprüngliche Vision“ der Phantastika sei durch eine Verlagerung des Themenschwerpunkts – weg von der Literatur hin zu mehr Merch, Film, TV und Gaming – in Gefahr gewesen. Man wolle nicht in Richtung Comic-Con gehen.

Für das Jahr 2018 sei der Versuch „das Beste beider Welten“ zusammen zu bringen, leider missglückt, was nicht nur auf logistische, sondern auch auf personelle Engpässe zurückzuführen sei.

Trotz der Enttäuschung über die Absage, verdient das Team um Mike Hillenbrand den größten Respekt für diesen mutigen (und vernünftigen) Schritt. Denn vielen Besucher hat vor allem das familiäre und entspannte Klima der Phantastika gefallen, welches durch eine extreme Kommerzialisierung wohl verloren gegangen wäre. Auch das Bekenntnis zur Genre-Literatur und der Verzicht auf die Monetarisierung des Rahmenprogramms sprechen für sich. Nicht zu vergessen, dass mit der Phantastika auch die oft stiefmütterliche behandelten Kleinverlage subventioniert werden, da diesen ein gebührender Rahmen zur Präsentation ihres Verlagsprogramms geboten wird – was wiederum nicht mit einer Bewegung der Phantastika in Richtung Fandom-Mainstream zu vereinbaren gewesen wäre.

Den Deutschen Phantastik Preis, der 2017 feierlich auf der Phantastika
verliehen wurde, wird es in diesem Jahr trotzdem geben. Ob und wann die
Verleihung stattfinden wird, ist allerdings noch unklar.

Die Absage ist eine ehrliche Entscheidung, die zeigt, dass für die Organisatoren die Idee einer Messe von Fans für Fans wichtiger ist, als das wirtschaftliche Kalkül hinter der Veranstaltung. Und mit genügend Vorbereitung und ehrenamtlicher Unterstützung können wir uns für 2019 hoffentlich wieder auf eine phantastische, spezielle und vor allem eigenwillige Literaturmesse im Ruhrgebiet freuen.

Weiterführende Informationen:
Hier geht es zum Artikel, über die Bücher von der Longlist des Deutschen Phantastik Preises, die ich gerne noch lesen möchte.
Hier geht es zum Interview mit Mike Hillenbrand zur Absage der Phantastika.

© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
geeksantiques.de

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