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Literatur | Zuletzt gelesen – Science-Fiction zwischen Mond, Mars und Oomza Uni

Obwohl nicht ganz so lesereich wie der November, war der Dezember 2018 dennoch ein guter Monat, in dem es am Ende doch sieben Bücher geworden sind. Mit dabei sind zwei neue Science-Fiction-Romane, die uns auf den Mond und quer durchs All an die weit entfernte Oomza Universität führen. Der eine Titel stammt dabei von einem deutschen Autoren-Duo, dass im Bereich Science-Fiction debütiert, der andere Titel ist ein Sammelband mit drei Novellen aus dem Afrofuturismus, der spätestens seit der MCU-Adaption „Black Panther“ auch in Europa voll angekommen ist.

Terra von T.S. Orgel
NEU! [Rezensionsexemplar] erschienen bei Heyne

Hinter dem Pseudonym T.S. Orgel verbergen sich die beiden Schriftsteller-Brüder Tom und Stephan. Gemeinsam veröffentlichen sie seit 2012 Bücher, bisher allerdings nur aus dem Bereich der Phantastik. „Terra“ ist der erste Science-Fiction-Roman der beiden. Und der beginnt gleich mit einer katastrophalen Ausgangslage: die Erde ist nur noch ein ökologisches Wrack, ein Teil der Menschheit ist auf den Mond geflohen, der Mars soll als nächste Station der Umsiedlung herhalten und via Terraforming als neue Wohnstätte nutzbar gemacht werden. Der Mechaniker Jak bemannt einen vollautomatischen Frachter, der mit einer Ladung Rohstoffe auf dem Weg zur Erde ist. Doch dann entdeckt Jak, dass er statt der eigentlichen Ladung einen Container voller Bomben an Bord hat. Schnell stellt sich heraus, dass es sich dabei nicht etwa um einen Fehler, sondern um eine sehr reale Bedrohung für die letzten Menschen auf der Erde handelt.

„Terra“ startet ziemlich rasant, nach und nach kommen Details einer Verschwörung ans Licht und die Figuren müssen trotz räumlicher Isolation miteinander kommunizieren und operieren, was der Handlung eine besondere Spannung verleiht. Die Grundbesetzung der Story ist gut gewählt, die Personen agieren glaubhaft und nicht allzu vorhersehbar (auch oder gerade aufgrund der örtlichen Trennung einiger Charaktere). Die technischen Details und Möglichkeiten sind sauber recherchiert, der Anhang mit den zusätzlichen Erläuterungen ist Gold wert. Alles in allem also ein sehr stimmiges Buch. Am Ende wollte bei mir der Funke aber aus unerfindlichen Gründen nicht überspringen. Auf die nächsten Bücher des Autorenduos freue ich mich aber trotzdem sehr.

Binti (Kompendium) von Nnedi Okorafor
NEU! [Rezensionsexemplar] erschienen bei Cross Cult

Der Sammelband vereint die drei Novellen „Allein“, „Heimat“ und „Nachtmaskerade“. Wichtigster Charakter und Namensgeberin der Reihe ist Binti, eine Himba, die sich auf den Weg nach Oomza Uni, der besten Universität der Galaxis, macht. Jedoch ohne die Zustimmung ihrer Familie und unter der Missbilligung ihres Stammes. Auf ihrer Reise in die Fremde trifft Binti auf die Erzfeinde der Menschen, die seltsamen und mächtigen Medusen. Nur mit Hilfe ihrer Gaben gelingt ihr etwas, das zuvor selbst den ranghöchsten Stammesführer nicht gelingen wollte.

Zugegeben – die Geschichte klingt abstrus und nicht besonders spannend. Wobei mir besonders der erste Teil („Allein“) noch sehr gut gefallen hat, denn hier trifft die afrikanische Kultur auf altbekannte Science-Fiction. In „Heimat“ wird es dann ein wenig verwirrend, „Nachtmaskerade“ schießt allerdings in puncto Logik und Informationsgehalt den Vogel ab. Da „Binti“ dem Afrofuturismus zugeordnet wird, sind einige der erwähnten Bräuche und Gepflogenheiten (zumindest für den europäischen Leser) sehr ungewohnt und bedürften als Unterstützung für die Vorstellungskraft ein wenig mehr Information. Das Ende fällt zudem sehr unbefriedigend aus und ständig beschleicht einen das Gefühl, einen wichtigen Teil der Handlung verpasst zu haben.

Wer sich bereits im Bereich des Afrofuturismus orientieren konnte, wird sicherlich seine Freude den drei Novellen haben. Für Neulinge in dem Bereich ist dieser Sammelband allerdings absolut ungeeignet, da er mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

Literaturverweise:
Okorafor, Nnedi (2018): Binti – Sammelband. Ludwigsburg: Cross Cult
Orgel, T.S. (2018): Terra. München: Heyne

© geek’s Antiques by Lilli
lilli (at) geeksantiques.de
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