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Kultur | Romantik und Geschichte auf Burg Vischering

Sie gilt als die Mutter aller Wasserburgen und perfekter Wohnort für alle Einsiedler: mit einem breiten Wassergraben rundherum und nur einem einzigen Zugang zum Hauptgebäude ist die Burg Vischering im Münsterland der Traum all derer, die gerne auf Abstand gehen – auch wenn die eigentliche Zugbrücke mittlerweile durch eine schlanke Holzbrücke ersetzt wurde. Wählt man für einen Besuch die richtige Jahreszeit, so kann man das Gelände auch erkunden, ohne einer einzigen Menschenseele zu begegnen. Wandeln wir also auf den Spuren der Trutzherren, lauschen der Geschichte vom Ritter mit dem eisernen Halsband und halten der Burg selbst den Spiegel vor…

Wer Vischering nicht ehrt
Die Burg Vischering im Kreis Lüdinghausen ist eine Trutzburg, die im 13. Jahrhundert im Auftrag des münsterschen Fürstbischofs errichtet wurde. Sie gilt als eine der schönsten Wasserburgen in ganz Deutschland. Im Volksmund hat sich aus diesem Grund auch die Redensart „Wer Vischering nicht ehrt, ist Nordkirchen […] nicht wert“ etabliert, wie Rainer A. Krewerth in seinem Buch „Burgen, die im Wasser träumen“ mit einem Augenzwinkern mitteilt.* Wie die meisten Wasserburgen und -schlösser stehen die Grundfesten der Burg auf einem Unterbau aus Holzpfählen. Die Neben- und Wohngebäude wurden auf die kleinen umliegenden Inseln des zerklüfteten Gräften-Systems gebaut.

Die Rundburg diente vor allem der Verteidigung und so war das alte Gebäude mit einer Zugbrücke, Mauern und Wehrgängen sowie Schießscharten versehen, die es über 250 Jahre lang vor allen Angriffen schützten. Wenn man genau hinschaut, sieht man an der Ostseite der Burg eine Tür, die ins Nichts zu führen scheint: dies deutet auf einen alten Wehrgang hin, der heute nicht mehr existiert. Denn im Jahr 1521 fiel die Burg einem Feuer zum Opfer, was einen Wiederaufbau notwendig machte und viele Veränderungen mit sich brachte. Die heutige Burg erstrahlt im Stil der Renaissance mit vielen Erkern und Giebeln und einer einzigartigen Mischung aus Fachwerkmotiven und Sandstein.

Der Ritter mit dem eisernen Halsband
Seit Generationen erzählt man sich im Münsterland, bevorzugt an einem nebligen Herbsttag am Kamin mit einem heißen Tee in der Hand, die Geschichte vom Ritter Lambert mit dem eisernen Halsband.

Auf dem Weg  zurück von der Kirche zu seinem Landsitz auf der Burg Kakesberg bei Lüdinghausen soll Lambert von Oer vom verfeindeten Ritter Goddert von Harmen und dessen Gefolgsleuten überfallen worden sein. In einem Handgemenge, so heißt es, wurde ihm ein schweres Eisenhalsband angelegt, dessen Innerstes dem einer Eisernen Jungfrau ähnelte. Und so soll es dem armen Ritter fürchterliche Schmerzen bereitet haben. Niemand sei in der Lage gewesen, es ihm wieder abzunehmen. Erst der Schmied Thiele Schwoll vom Hörstertor in Münster konnte Lambert nach tagelangem Leid befreien. Das eiserne Halsband ist heute im Burgmuseum zu Vischering ausgestellt.

Und wie ging es mit Lambert und Goddert weiter? Der Sage nach fand Lambert von Oer zwar friedlich seine letzte Ruhe, doch seine drei Söhne, die während der Streitigkeiten von Ritter Goddert verflucht wurden, sollen noch immer als kopflose Geisterkälber durch die Gewölbe von Burg Kakesberg streifen. Ihr Bann kann nur durch den Kuss dreier Jungfrauen zum ersten Glockenschlag der Burgkapelle gebrochen werden.

Burg Vischering im 21. Jahrhundert
Heute geht es auf Burg Vischering allerdings etwas fröhlicher zu, Ausstellungen, Lesungen und Konzerte und der BurgJazz beleben die Burg weiterhin. Aktuell sind mit dem sogenannten „Landschaftsfenster“, einer Art Spiegelschaukasten, und weiteren Installationen rund um die Burg einige spannende Projekte zu sehen. Entwickelt wurde das Ganze als „WasserBurgenWelt“ (www.wasserburgenwelt.de) im Rahmen des Strukturförderprogramms „Regionale 2016“. Einen Besuch ist die Burg Vischering mit Sicherheit wert. Denn „wer Vischering nicht ehrt…“

Literaturverweis:
Gier, Kerstin (2010): Smaragdgrün. Liebe geht durch alle Zeiten (Edelsteintrilogie) 3. Würzburg: Arena Verlag

Kortsteger, Marion (2002): Das eiserne Halsband. In: Kortsteger, Marion (2002): Sagen – Münsterland. Kassel: Prolibris Verlag. S. 120-126

Krewerth, Rainer A. (1997): Burgen, die im Wasser träumen. Die Schlösser und Herrensitze im Münsterland. Münster: Aschendorff Verlag

Stänner, Paul (2013): 111 Orte im Münsterland, die man gesehen haben muss. Köln: Emons Verlag

Weiterführende Informationen:
*Nordkirchen bezieht sich hierbei auf das Wasserschloss im nahegelegenen Nordkirchen, das übrigens auch Drehort für die Buchverfilmung von „Smaragdgrün“ von Kerstin Gier war. Das Schloss fungiert hier als Sitz des Herzogs von Pimplebottom.

Die Homepage der Burg Vischering findet ihr hier: www.burg-vischering.de

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